CDU-Parteichef Friedrich Merz hat vor einem Ausfall der Stromversorgung im Winter gewarnt, falls Deutschland weiterhin am Atomausstieg festhält. „Es droht eine vollkommene Überlastung des Stromnetzes im Herbst und Winter sowie eine mangelhafte Versorgung mit Strom", sagte Merz der „Bild am Sonntag". Wenn nur jeder fünfte Gaskunde diesen Winter mit Strom heize, verdopple sich der Strombedarf der privaten Haushalte, sagte Merz. „Wenn diese Regierung so weitermacht und aus ideologischen Gründen am Atomausstieg festhält, droht uns Anfang nächsten Jahres ein Blackout." Merz verlangte schnellstmöglich die Bestellung neuer Brennstäbe für den Weiterbetrieb mindestens der drei noch nicht abgeschalteten Atomkraftwerke:
"Wir hätten spätestens im August dafür gesorgt, dass zumindest für die drei Atomkraftwerke, die noch laufen, neue Brennstäbe bestellt worden wären, möglicherweise auch für die drei, die im letzten Jahr stillgelegt wurden. Damit wären zunächst einmal insgesamt 20 Millionen Haushalte sicher mit Strom versorgt. Warum hat der Kanzler den Bundeswirtschaftsminister nicht zurückgepfiffen, als der einfach behauptet hat, wir hätten kein Stromproblem?"
Von Bundeskanzler Scholz erwartet Merz in diesem Zusammenhang ein klares Versprechen an die Menschen in Deutschland:
"Die Grundbotschaft an die Bevölkerung müsste sein: Wir werden als Regierung dafür sorgen, dass in diesem Land niemand hungert oder friert. Egal wie sehr sich die Krise verschärft. Aber wir werden auch Wohlstandsverluste hinnehmen müssen. Und wenn wir es richtig machen, dann können wir eines Tages gestärkt aus der Krise hervorgehen. Vorrang hat jetzt eine sichere Energieversorgung. Und dazu gehört auch die Kernenergie."
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte im Sommerinterview des ZDF am Sonntag, dass die Regierung alles dafür getan habe, damit es nach „menschlichem Ermessen" nicht zu einem „Blackout" komme. „Ich bin sehr sicher, dass uns das erspart bleibt." Um die Stromversorgung zu sichern, habe die Regierung etwa dafür gesorgt, dass Kohlekraftwerke aus der Bereitschaft geholt würden, um Strom zu produzieren. So könne Gas gespart werden. Wegen der Energiekrise, die sich durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zugespitzt hat, gibt es seit Monaten eine Debatte, ob die drei verbleibenden Atomkraftwerke länger laufen sollen, obwohl ihre Leistungsbetrieb-Berechtigung zum Jahresende erlischt. Die Ampel-Koalition prüft derzeit in einem Stresstest die Sicherheit der Stromversorgung. Danach will sie entscheiden, ob die AKW noch etwas länger laufen.