In einer Parlamentssitzung 2016 wurde Singapurs damaliger Verteidigungsminister Ng Eng Hen gefragt, wie das Land reagieren würde, falls die USA ihre Sicherheitsverpflichtungen in Asien zurückfahren sollten. Damals war diese Frage hypothetisch. Heute, mit Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit und Ng, der nach 14 Jahren als Singapurs dienstältester Verteidigungsminister zurücktritt, ist diese Frage Realität geworden. Der amerikanische Sicherheitsschirm – lange als selbstverständlich angesehen von vielen Verbündeten – scheint zu bröckeln.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Ordnung, getragen von US-amerikanischer militärischer Dominanz und finanzieller Zentralität, ist nicht mehr gesichert. In Erwartung einer Post-Pax-Americana-Welt passen sich Staaten entsprechend an eine neue Ordnung an. Dies zeigt eine Analyse von Marcus Loh bei Asia Times auf.
Amerikanische Bruchlinien
Die erste Bruchlinie liegt in der Abschreckung. Jahrzehntelang waren US-Verbündete zufrieden damit, sich auf amerikanischen Schutz zu verlassen, anstatt ihre eigenen Streitkräfte aufzubauen. Diese Ära ist vorbei. Deutschland hat 107 Milliarden US-Dollar für Verteidigungsaufrüstungen zugesagt. Polen gibt inzwischen 4% seines BIP für sein Militär aus – mehr als jedes andere NATO-Mitglied. Asien erzählt eine ähnliche Geschichte. Japan verdoppelt sein Verteidigungsbudget bis 2027 und bricht damit mit langjährigen pazifistischen Traditionen. In Südkorea unterstützen 76% der Bürger die Entwicklung von Atomwaffen – eine Idee, die unter dem US-Atomschirm einst undenkbar war. In beiden Regionen sichern sich Verbündete gegen die Möglichkeit einer amerikanischen Abkehr ab.
Die zweite Bruchlinie ist finanzieller Natur. Die militärische Reichweite Amerikas wurde lange durch die globale Nachfrage nach US-Staatsanleihen gestützt. Doch die Grundlagen dieses Systems schwächen sich ab. Im Haushaltsjahr 2023 verzeichneten die USA ein Haushaltsdefizit von 1,7 Billionen Dollar, wovon 1,1 Billionen auf Verteidigungs- und Veteranenausgaben entfielen. Gleichzeitig schwindet das ausländische Interesse an amerikanischen Schulden. Der Anteil ausländischer Besitzer von US-Staatsanleihen ist von 42% im Jahr 2013 auf 31% im Jahr 2023 gesunken. Allein China hat seine Bestände um mehr als 330 Milliarden Dollar reduziert. Der Anteil des Dollars an den globalen Währungsreserven, einst über 70% im Jahr 1999, ist auf 58% gefallen.
Darüber hinaus hat die Instrumentalisierung des Dollars – durch Sanktionen, Exportkontrollen und finanzielle Beschränkungen – Gegenmaßnahmen ausgelöst. Die BRICS-Staaten erweitern den nicht-dollarbasierten Handel und erkunden Alternativen wie digitale Zentralbankwährungen. Der Ökonom Dr. Yanis Varoufakis nennt dies den Aufstieg des "Cloud-Kapitals", einer globalen Finanzarchitektur, die sich langsam von der amerikanischen Kontrolle löst.
Die dritte Bruchlinie ist institutioneller Natur. Die Legitimität der US-Führung war einst in ihrem Bekenntnis zum Multilateralismus verwurzelt. Heute erscheint dieses Engagement selektiv. Vom Rückzug aus der Transpazifischen Partnerschaft und dem Pariser Klimaabkommen bis zum chaotischen Abzug aus Afghanistan ist Washingtons globale Haltung transaktionaler geworden. Die bedingte Unterstützung für die Ukraine und die wechselnde Rhetorik gegenüber der NATO haben Zweifel an der Verlässlichkeit Amerikas in seiner neuen Rolle als "Offshore-Balancer" verstärkt. Der jüngste Indien-Pakistan-Konflikt – der über 50 Zivilisten tötete und wirtschaftliche Schäden von schätzungsweise 90 Milliarden Dollar verursachte – zeigte, wie schnell eine Konfrontation zwischen Atommächten ohne rechtzeitige US-Intervention eskalieren kann.
Aufstieg der zivilisatorischen Multipolarität
Die größere Herausforderung könnte jedoch nicht der Rückzug des amerikanischen Schirms selbst sein, sondern vielmehr das, was in seiner Abwesenheit entsteht – eine Verschiebung, die ich "zivilisatorische Multipolarität" nenne. Was diesen Moment von jedem anderen in der Geschichte unterscheidet, ist nicht nur die Umverteilung von Macht – es ist die Natur der Akteure, die diese Macht nun geltend machen. Zum ersten Mal steigen mehrere zivilisatorische Staaten – China, Indien, Russland und Iran – innerhalb eines gemeinsamen globalen Systems auf.
Der Historiker Professor Wang Gungwu nennt dies die Rückkehr des "zivilisatorischen Bewusstseins" – eine Dynamik, in der Staaten ihre Legitimität nicht aus universellen Normen, sondern aus tiefen Strukturen von Sprache, Religion und institutionellem Gedächtnis ableiten. China verkörpert diese Verschiebung. Wie der Wissenschaftler Dr. Martin Jacques beobachtet, betrachtet sich China nicht nur als Nationalstaat, sondern als "Zivilisationsstaat" mit 5.000 Jahren politischer Tradition und moralischer Philosophie. Der Anspruch der Kommunistischen Partei Chinas auf Autorität basiert nicht auf liberalen Normen, sondern auf der Wiederherstellung dessen, was sie als den rechtmäßigen Platz des Reichs der Mitte in der Geschichte ansieht.
Dies hat weitreichende Konsequenzen. Professor Graham Allisons "Thukydides-Falle" warnt vor Konflikten, wenn eine aufsteigende Macht eine herrschende bedroht. Aber im heutigen Kontext geht es bei diesem Wettbewerb nicht nur um Macht – es geht um Werte und Visionen der Weltordnung. Professor John Mearsheimer hat argumentiert, dass der liberale Internationalismus in einer von Nationalismus und Realismus geprägten Welt nicht überleben kann. Die zivilisatorische Multipolarität verstärkt diese Prognose: Mächte exportieren nun Governance-Modelle, die in ihren eigenen Traditionen verwurzelt sind, anstatt auf einen einzigen Satz von Normen zu konvergieren.
Pluralität und Koexistenz
Professor Samuel Huntingtons "Clash of Civilizations" postuliert, dass kulturelle und religiöse Identitäten in der Zeit nach dem Kalten Krieg unvermeidlich zu globalen Konflikten führen werden, da grundlegende zivilisatorische Unterschiede – verwurzelt in Geschichte, Religion und Werten – zu unversöhnlichen Bruchlinien zwischen Nationen und Blöcken werden. Aber es gibt immer noch Handlungsspielraum in der Art und Weise, wie Staaten reagieren. ASEAN beispielsweise bietet ein lehrreiches Modell durch sein Prinzip der "Omni-Einbindung", einen Ansatz, der binäre Allianzen vermeidet und gleichzeitig Engagement über zivilisatorische Grenzen hinweg fördert.
Anstatt Seiten zu wählen, schaffen ASEAN-Staaten Raum für Dialog und Zusammenarbeit, bewahren ihre Autonomie und beteiligen sich gleichzeitig an der globalen Governance. Wenn die globale Gemeinschaft dieses Ethos annehmen kann, muss die zivilisatorische Multipolarität nicht als Bedrohung angesehen werden, sondern als Chance: die Grundlage für eine pluralistischere Ordnung innerhalb eines gemeinsamen Rahmens.
Singapurs neuer Verteidigungsminister Chan Chun Sing brachte diese Perspektive gut zum Ausdruck, als er bei der 41. IISS-Asia Fullerton Lecture 2021 bemerkte: "Mittelmächte und kleine Staaten können helfen, Brücken zu bauen, Plattformen für Dialog zu schaffen und das multilaterale System aufrechtzuerhalten. Durch Zusammenarbeit können wir alternative Wege für Kooperation bieten, selbst wenn größere Mächte unterschiedlicher Meinung sind."
Wenn dieser Übergang klug gemanagt wird, muss die Post-Amerikanische Ära nicht den Zerfall der globalen Ordnung markieren. Sie könnte stattdessen den Aufstieg eines inklusiveren, widerstandsfähigeren und ausgewogeneren Systems einläuten, das nicht durch Dominanz, sondern durch die friedliche Koexistenz und konstruktive Auseinandersetzung von Zivilisationen definiert wird. Das wäre ein Novum in der Menschheitsgeschichte. Und vielleicht ihre größte Errungenschaft.



