Krisenpropheten gibt es schon lange und sowohl nach dem Platzen der "Dotcom-Bubble" und wie auch nach der Finanzkrise 2008/2009 verstummten die Warnungen nicht. Doch bislang blieb ein großer Wirtschafts- und Finanzcrash - trotz der Lockdown-Maßnahmen und der kollabierten Lieferketten - aus. Was viele dieser "Krisenpropheten" unterschätzt haben, ist nämlich der unerbittliche Selbsterhaltungstrieb des Systems. Unterstützt von der Nullzinspolitik und der Geldschwemme (Quantitative Easing) der Zentralbanken. Doch in Zeiten wie diesen, wo die Inflation quer durch die Bank zunimmt, kann diese Geldpolitik nicht mehr aufrecht erhalten werden.
Wir stehen also vor dem Problem, dass wir Staaten, Unternehmen und Privathaushalte mit deutlich höheren Schuldenständen sehen, die jedoch nur wegen dieser niedrigen Zinssätze überhaupt "tragfähig" sind. Da jedoch kaum ein Land seine bestehenden Schulden abbaut, sondern diese lediglich refinanziert (also alte Schulden mit neuen Schulden bezahlt) und dazu noch ein laufendes Haushaltsdefizit mit Staatsanleihen oder Krediten finanzieren muss, ist dies eine tickende Zeitbombe. Ein Beispiel: Die Vereinigten Staaten zahlen für zehnjährige Anleihen einen Zins von 1,5 Prozent, bei den dreißigjährigen Anleihen sind es 2,0 Prozent. Verdoppeln sich die Zinssätze infolge der Zinserhöhungen der Federal Reserve, wird es teuer. Denn der Schuldendienst muss aus dem laufenden Budget finanziert werden. Und bedenken Sie: Im Jahr 1981 lag der Zinssatz für zehnjährige US-Anleihen bei ganzen 15 Prozent im Jahr. Die Heritage Foundation ruft deshalb bereits dazu auf, Anleihen mit 50 oder gar 100 Jahren Laufzeit auszugeben, um so eine stabilere Finanzplanung gewährleisten zu können. Doch angesichts von Inflationsraten jenseits der Marke von drei Prozent stellt sich die Frage, wer solche Anleihen zu Zinssätzen von ein bis zwei Prozent überhaupt kaufen wird.
Vor einem ähnlichen Problem stehen Privatpersonen und Unternehmen. Kredite und Hypothekenkredite sind derzeit günstig wie nie. In Deutschland beispielsweise kommt man momentan bei einer Zinsbindung von fünf Jahren mit 0,75 Prozent weg. Bei zehn Jahren sind es schon um die ein Prozent pro Jahr. Doch was, wenn die Zinsbindung ausläuft und dann schon drei oder gar fünf Prozent an Zinsen pro Jahr gezahlt werden müssen? Die Immobilienpreise sind hoch und 300.000 Euro für eine Wohnung keine Seltenheit mehr. Da werden aus beispielsweise um die 600 Euro pro Monat dann schon mal 1.000 Euro oder mehr. Rechnen Sie es sich doch einmal selbst aus, wie eine solche Entwicklung die monatlichen Mehrkosten für Ihren Kredit in die Höhe treiben wird. Und nicht nur das: dies treibt auch die Mietpreise noch stärker in die Höhe, da die Kosten für neue Häuser deutlich ansteigen. So zieht sich das dann quer durch die Bank. Immer mehr Länder, Unternehmen und Privathaushalte schlittern in die Überschuldung, wenn die Zinssätze steigen.
Im Grunde genommen haben die Zentralbanken das Platzen der Schuldenblase nur ein paar Jahre in die Zukunft verschoben. Vielleicht auch in der Hoffnung, dass sich ein Teil der bestehenden Schulden weginflationieren lassen. Das heißt: die Inflationsrate liegt deutlich über den Zinssätzen, so dass der Wert der Schulden kaufkraftbereinigt sinkt. Das nützt den Schuldnern, schadet aber den Gläubigern. Zahlt ein Staat beispielsweise zwei Prozent Zins auf seine Schulden und die Inflation liegt bei vier Prozent, steigt die Verschuldung (ohne neue Schulden durch ein Haushaltsdefizit) in fünf Jahren beispielsweise von 100 auf 110,4 Milliarden Euro, diese entsprechen jedoch kaufkraftbereinigt nur rund 90,7 Milliarden Euro. Dies bedeutet: Obwohl die Schulden in absoluten Zahlen steigen, sinken sie inflationsbereinigt. Dies ist auch die Hoffnung vieler Regierungen, deren Schuldenberge in absoluten Zahlen neue Rekordwerte erzielen. Wenn ihnen die Zentralbanken mit den Zinserhöhungen nun nicht einen Strich durch die Rechnung machen und die Refinanzierung fälliger Kredite und Staatsanleihen deutlich verteuern. Ein Effekt, der zwar zeitversetzt eintritt (da nur Teile der Schulden jährlich fällig werden), dennoch Auswirkungen auf den Staatshaushalt hat. Immerhin müssen größere Anteile des Staatshaushalts für den Schuldendienst aufgewendet werden, was entweder Budgetkürzungen bei einigen Ausgaben mit sich bringt, oder aber das jährliche Defizit in die Höhe treibt.
Wir dürfen uns also mit den jüngsten Zinserhöhungen (und jenen, die noch folgen werden) auf einige zusätzliche Kreditausfälle gefasst machen. Insbesondere auch deshalb, weil viele Unternehmen in den letzten beiden Jahren (und noch in den kommenden Monaten) Umsatz- und Gewinnausfälle durch die ganzen Lockdownmaßnahmen und Beschränkungen erleiden (mussten). Das akkumuliert sich. Und die Banken, deren Bilanzen gerade wegen 2008/2009 auch noch nicht in sauberen Tüchern sind, werden das noch deutlich zu spüren bekommen.



