Die Wiederholung der Geschichte ist kein Zufall, sondern die logische Konsequenz westlicher Selbsttäuschung. Nach dem Ersten Weltkrieg glaubte man, durch Völkerbund und Papierverträge die Menschheit befrieden zu können – das Ergebnis war Hitler. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute man UNO und NATO auf, in der Illusion, das Monopol auf Wahrheit und Fortschritt gepachtet zu haben. Doch das Ergebnis waren Stellvertreterkriege, koloniale Interventionen unter neuem Label und eine ständige Eskalationsspirale. Der Westen bricht seine eigenen Regeln, wenn es ihm passt – und wundert sich, wenn der Rest der Welt das Spiel nicht mehr mitspielt.

Der akademische Unterbau dieser Hybris heißt „Internationale Beziehungen“. Ein Fach, das wie ein Fähnchen im Wind zwischen Idealismus und Realismus hin- und herwechselt, ohne jemals die eigenen Fehlschläge zu reflektieren. In Friedenszeiten predigt man die heile Welt, in Krisenzeiten entdeckt man plötzlich die Notwendigkeit harter Machtpolitik. Heute stecken wir wieder im Idealismus fest – allerdings in seiner dekadentesten Form. Anstatt nüchtern die globalen Machtverhältnisse zu betrachten, verliert sich der Westen in Genderseminaren, Klimahysterien und moralischen Ablenkungsdebatten. Man diskutiert über Pronomen, während die Kanonen längst geladen sind.

Die großen Zyklen der Geschichte – ob man sie nach Kondratieff, Toynbee oder Wallerstein benennt – zeigen stets dasselbe Muster: Aufstieg, Dominanz, Überdehnung, Niedergang. Und der Westen ist eindeutig in der Phase des Niedergangs angekommen. Innere Schwäche, wirtschaftliche Dekadenz, moralische Verkommenheit und militärische Überheblichkeit gehen Hand in Hand. Wer heute noch ernsthaft glaubt, die „regelbasierte Ordnung“ sei eine ewige Einrichtung, gleicht Chamberlain 1938, der in München mit einem Stück Papier wedelte und „Frieden in unserer Zeit“ versprach.

Die Realität aber sieht anders aus: Der Westen ist gespalten, müde, unfähig, und klammert sich an die Illusion seiner moralischen Überlegenheit. Seine Gegner – von Russland über China bis hin zum Iran – agieren nüchterner, strategischer und vor allem realistischer. Sie sind es, die inzwischen das Machtgefüge verschieben, während Europa und die USA lieber über CO2-Ziele und Diversitätsquoten diskutieren. Die Diskrepanz zwischen westlicher Ideologie und globaler Realität ist so groß wie nie zuvor – und genau in dieser Kluft wächst die Gefahr des nächsten Weltkriegs.

Wer also fragt, ob wir auf eine neue große Eskalation zusteuern, muss nur den Zustand des Westens betrachten: dekadent, selbstverliebt und unfähig zur Verteidigung seiner eigenen Ordnung. Geschichte wiederholt sich nicht, weil sie es muss – sondern weil der Westen es will.