Europa ist vergleichsweise ressourcenarm. Über tausende Jahre hinweg haben die europäischen Kulturvölker so ziemlich alles aus dem Erdboden geholt, was für sie erreichbar war. Das übriggebliebene Angebot reicht längst nicht mehr aus, um den Bedarf der Industrie und der Menschen in Sachen Energie, Metalle & Co zu decken. Für lange Zeit - selbst im Kalten Krieg - war Russland deshalb ein wichtiger und verlässlicher Lieferant für das, was die Europäer brauchten. Zu passablen Preisen dazu noch.
In den letzten Jahren jedoch hat die antirussische Stimmung in Europa - vor allem auf medialer und politischer Ebene - immer weiter zugenommen. Dies hat nicht nur zur Unterstützung des Maidan-Putsches in Kiew durch die Europäer geführt, sondern auch zur Verhängung von immer mehr Sanktionen gegen Moskau. Mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine (nachdem Kiew unter US-Anleitung jegliche Umsetzung des Minsker Abkommens torpedierte), um endlich Nägel mit Köpfen zu machen und den schleichenden Genozid an der vorwiegend russischsprachigen Bevölkerung im Donbass zu beenden, ist die ganze Sache eskaliert. Sehr zur Freude der Amerikaner und ihrer nützlichen Idioten in Europa.
Die Sanktionen gegen den russischen Energiesektor haben die Preise für Öl und Gas in die Höhe getrieben, Russland hat den Export von Getreide und Düngemitteln stark eingeschränkt was die Lebensmittelproduktion und die Preise in diesem Bereich ebenfalls in die Höhe treibt. Die Leidtragenden darunter sind die einfachen Menschen, deren Einkommen nicht so rasch steigen wie die laufenden Kosten. Viele Unternehmen, die bereits durch die katastrophale Lockdownpolitik angeschlagen sind, sehen sich nun mit weiteren Härten konfrontiert. Restaurants müssen beispielsweise ihre Preise stark nach oben anpassen, so dass auswärts essen zu gehen für viele Menschen gar nicht mehr im Budget liegt (oder nur mehr sehr eingeschränkt). Und dies alles zieht immer mehr Kreise.
Doch wozu das Ganze? Während der US-Dollar an Stärke gewinnt und der Euro schwächelt, werden immer mehr europäische Unternehmen aus US-Sicht zu "günstigen Schnäppchen", die so billig aufgekauft werden können. Andererseits sprudeln durch die Inflation die Steuereinnahmen und bestehende Schulden entwerten sich Dank der niedrigen Zinssätze auf die Papiere ebenfalls. Das trifft jedoch auch viele Pensionsfonds, die in solche Schuldpapiere investiert haben.
Den Einmarsch in die Ukraine kann man durchaus kritisch betrachten und verurteilen. Doch dann bitte nicht mit zweierlei Maß. Denn als die Amerikaner mit ihren (NATO-) Verbündeten völkerrechtswidrig in den Irak einmarschiert sind, entgegen das Völkerrecht Jugoslawien und Libyen bombardierten und Syrien zerstörten, gab es auch nicht so einen Aufstand - und schon gar keine Sanktionen. Der Angriffskrieg der Saudis und Emiratis gegen den Jemen? Interessiert doch kaum jemanden. Sind doch nur Muslime und Araber und die schaffen es ohnehin nicht bis nach Europa, da sie ja erst durch Saudi-Arabien hindurch müssten...
Während die Politiker in Europa weiterhin alles daran setzen, aus ideologischen Gründen den "alten Kontinent" wirtschaftlich in den Abgrund zu stürzen, schieben sie Russland den Schwarzen Peter zu. Und das, obwohl sie selbst die Hauptschuld für die ganze Eskalation tragen. Sie hätten auch nach dem Maidan-Putsch die ukrainische Führung auf die Umsetzung des Minsker Abkommens drängen können, dann wäre es wahrscheinlich auch nicht zu diesem Einmarsch gekommen. Von einem Widerstand gegen die Sanktionswut der Amerikaner ganz zu schweigen, zumal die Vereinigten Staaten deutlich weniger davon betroffen sind als die Europäer. Aber wen interessiert das schon? Die Staats- und Konzernmedien üben sich (wie schon während der "Corona-Pandemie") fleißig als transatlantische Propagandaverbreiter, mit dem "bösen Iwan" als perfekten Feindbild.
Doch Europa braucht Russland so wie Russland auch Europa braucht. Beide Seiten ergänzen sich in so vielen Bereichen, dass man von einer "natürlichen Partnerschaft" sprechen könnte. Weil dies jedoch den Transatlantikern ein Dorn im Auge ist, muss dies verunmöglicht werden. Denn dies würde ein Ende der US-Vorherrschaft im europäischen Raum mit sich bringen. Und dies wollen Washington und dessen europäische Minions unbedingt verhindern.



