Die jüngsten Enthüllungen über Attentatserwägungen gegen Syriens Präsidenten Ahmed al-Sharaa zeigen, wie widersprüchlich die US-Außenpolitik agiert. Washington paktiert mit einem islamistischen Extremisten, während in Syrien Familien christlicher und alawitischer Herkunft um ihr Leben fürchten müssen. Hinter den Kulissen scheinen ganz andere Überlegungen zu existieren als die, die öffentlich kommuniziert werden.

Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen sprach während einer Senatsanhörung am Donnerstag Klartext. "Ich bin beunruhigt über Gerüchte aus außenpolitischen Kreisen der Administration, dass eine diskutierte Option die Ermordung des neuen syrischen Regierungschefs Ahmed al-Sharaa sei", sagte sie ohne Umschweife. Jordaniens König Abdullah II. habe von diesen Mordplänen Wind bekommen und eindringlich davor gewarnt.

Der jordanische König betonte, dass ein Attentat einen umfassenden Bürgerkrieg in Syrien auslösen würde. Doch unter Sharaas brutaler Herrschaft herrscht bereits jetzt ein Klima der Angst. Syrische Flüchtlinge berichten unter Tränen, wie ihre christlichen Nachbarn verschleppt wurden, nur weil sie an ihrem Glauben festhielten. Alawiten, Drusen und andere religiöse Minderheiten leben in ständiger Angst vor den nächtlichen Razzien seiner islamistischen Schergen.

Pakt mit dem Terroristen

Sharaas Vergangenheit ist erschreckend. Als Kommandeur der islamistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS) trägt er Verantwortung für zahllose Gräueltaten. Er kämpfte im Irak gegen amerikanische Truppen, saß in einem US-Gefängnis ein und schwor einst Al-Qaida die Treue. Unter seiner Führung stürzte HTS im Dezember 2024 die Assad-Dynastie – nur um ein Regime zu errichten, das an die dunkelsten Tage des IS erinnert.

Seit seiner Machtübernahme häufen sich Berichte über die Einführung einer strengen Scharia-Auslegung. Videos zeigen, wie Christen in den von ihm kontrollierten Gebieten gezwungen werden, entweder zu konvertieren, hohe Sondersteuern zu zahlen oder zu fliehen. Die Verzweiflung in ihren Augen ist unübersehbar. Alawiten, die unter dem Assad-Regime eine privilegierte Stellung genossen, werden nun systematisch verfolgt. Menschenrechtsaktivisten berichten von Massenhinrichtungen, Folter und Verschleppungen, während internationale Beobachter keinen Zugang erhalten.

Trumps Entscheidung, alle US-Sanktionen gegen Syrien aufzuheben, wurde in Riad bejubelt. Doch wie kann man ein Regime legitimieren, das fundamentale Menschenrechte mit Füßen tritt? Familien können nachts nicht schlafen, weil sie fürchten, dass Sharaas Männer an ihre Tür klopfen könnten.

Geopolitisches Kalkül statt Menschenrechte

Die amerikanische Außenpolitik zeigt hier ihr wahres Gesicht: Man predigt Menschenrechte, paktiert aber mit einem islamistischen Extremisten, solange es den eigenen Interessen dient. Gleichzeitig erwägt man hinter verschlossenen Türen seine Ermordung – nicht etwa aus Sorge um die verfolgten Minderheiten, sondern aus machtpolitischem Kalkül. Diese Doppelmoral ist erschütternd.

Diplomaten bestätigen, dass die Syrien-Berater des State Department noch Tage vor der Ankündigung ausländische Partner informierten, die Sanktionen würden bestehen bleiben. Gleichzeitig versuchen hartgesonnene Mitglieder von Trumps Nationalem Sicherheitsrat, den Prozess der Sanktionsaufhebung zu verzögern, um Zugeständnisse von Sharaa zu erzwingen.

Die wahren Opfer dieser widersprüchlichen Politik sind die Menschen in Syrien, besonders die religiösen Minderheiten. Aleppo war vor dem Krieg eine Stadt voller Leben, mit einer blühenden christlichen Gemeinde. Heute gibt es nur noch Berichte über geschändete Kirchen und vertriebene Familien. Die wenigen verbliebenen Christen leben in ständiger Angst vor Sharaas Milizen, die nachts durch die Straßen patrouillieren und jeden mitnehmen, der ihnen verdächtig erscheint.

Strategische Interessen über Menschenrechte

Das Weiße Haus fordert von Sharaa, palästinensische und ausländische Kämpfer aus Syrien zu vertreiben und gegen den IS vorzugehen. Trump sprach sogar über eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zu Israel. "Ich sagte ihm: 'Ich hoffe, ihr werdet beitreten, wenn alles geklärt ist.' Er sagte: 'Ja.' Aber sie haben noch viel Arbeit vor sich", berichtete Trump.

Diese Worte klingen hohl, wenn man bedenkt, dass Sharaa selbst jahrelang als Terrorist gelistet war. Die Biden-Administration hob Anfang 2025 ein Kopfgeld von 10 Millionen Dollar auf ihn auf – ein Mann, der weiterhin als "globaler Terrorist" eingestuft ist. Diese Einstufung wird nun wohl aufgehoben, wie Experten bestätigen.

Sharaas engster Verbündeter ist die Türkei, doch er nähert sich auch den Golfstaaten an. Trump nannte zwei Fürsprecher für die Sanktionsaufhebung: den türkischen Präsidenten Erdogan und den saudischen Kronprinzen bin Salman – beide selbst keine Verfechter religiöser Toleranz, wie zahlreiche Menschenrechtsberichte belegen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate vermitteln indirekt zwischen Israel und Syrien. Israel hat Syrien monatelang angegriffen und besetzt einen Teil des südwestlichen Landes. Die Trump-Administration drängte beide Seiten zu Gesprächen, wie Beteiligte berichten.

Ali al-Rifai vom syrischen Informationsministerium antwortete auf die Frage nach einem Beitritt zum Abraham-Abkommen: "Frieden mit allen, ohne Ausnahme." Diese Worte klingen wie blanker Hohn angesichts der täglichen Berichte aus Syrien – Berichte über ein Regime, das im eigenen Land religiöse Minderheiten brutal unterdrückt und verfolgt.

Die Enthüllung möglicher Mordpläne gegen Sharaa zeigt, wie bankrott die westliche Außenpolitik moralisch ist. Statt konsequent für Menschenrechte einzutreten, laviert Washington zwischen geopolitischen Interessen und fragwürdigen Allianzen – während in Syrien Menschen unter einem islamistischen Terrorregime leiden, das an die dunkelsten Tage des IS erinnert.