Die EU darf nicht zur Kohleverbrennung zurückkehren und ihre Klimaziele vernachlässigen, um russisches Gas zu ersetzen, sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen, berichtet "RT International".

"Wir müssen sicherstellen, dass wir diese Krise nutzen, um voranzukommen und nicht auf die schmutzigen fossilen Brennstoffe zurückgreifen", sagte von der Leyen. "Es ist ein schmaler Grat, und es ist nicht ausgemacht, ob wir die richtige Wendung nehmen werden." Die EU-Staaten müssten weiterhin "massiv in erneuerbare Energien investieren".

Von der Leyen fügte hinzu: Brüssel habe "Notfallmaßnahmen" ergriffen, um auf die Bedrohung durch abnehmende Lieferungen aus Russland zu reagieren, wie z.B. Energieeinsparungen und die Priorisierung von Industrien, die Gas erhalten.

Im März gab die Kommission das Ziel bekannt, bis 2030 kein russisches Gas mehr zu beziehen. Die Entscheidung wurde im Rahmen der Sanktionen gegen Moskaus Militäraktion in der Ukraine getroffen, die Ende Februar eingeleitet wurde.

EU-Mitglieder wie Deutschland haben jedoch wiederholt davor gewarnt, dass ein sofortiges Verbot russischer Energie ihren Volkswirtschaften schweren Schaden zufügen würde.

Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte am Sonntag, dass Kohlekraftwerke anstelle von Gas zur Stromerzeugung eingesetzt werden müssten und dass mehr Gas in die Speicher gepumpt werden müsse. "Sonst wird es im Winter richtig eng", sagte er. "Das ist bitter, aber in dieser Situation einfach notwendig, um den Gasverbrauch zu senken."

Habecks Äußerungen stehen in krassem Gegensatz zu dem von der Regierung im Januar vorgestellten Klimaschutzplan, in dem der Anteil der erneuerbaren Energien in Deutschland bis 2030 auf 80 % steigen soll.