Man muss Robert Habeck lassen, dass er über ein außergewöhnliches Talent zur Metamorphose verfügt. Während das Land noch mit den Trümmern seiner wirtschaftspolitischen Hinterlassenschaften kämpft, hat sich der ehemalige Vizekanzler längst in die bequemen Sessel der Investmentbranche zurückgezogen. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, darf er nun bei einer Investmentgesellschaft seine Expertise einbringen. Es ist eine jener wundersamen Wandlungen, die nur in der deutschen Politik möglich sind: Wer den Wohlstand eines Landes in den Sand setzt, wird anschließend dafür belohnt, anderen zu erklären, wie man Geld anlegt oder Firmen saniert – oder zumindest so tut, als ob.

Die sogenannte Qualitätspresse überschlägt sich derweil in einer fast schon rührenden Anstrengung, diesen Wechsel als logischen nächsten Schritt einer glänzenden Karriere zu verkaufen. Man liest dort von einer „beeindruckenden Erfolgsbilanz“, die Habeck mitbringe. Es ist die gewohnte Art der Hofberichterstattung, die jede politische Niederlage in einen strategischen Sieg umdeutet. Wie die Welt feststellt, wird hier mit einer rhetorischen Eleganz gearbeitet, die jeden Kritiker als bloßen Spielverderber dastehen lässt. Man fragt sich, ob diese Journalisten tatsächlich glauben, was sie schreiben, oder ob sie lediglich die notwendigen Worthülsen für das nächste Abendessen im Berliner Polit-Zirkel produzieren.

Dabei ist der Mechanismus seit Jahrzehnten bekannt. Die Drehtür zwischen Politik und Wirtschaft schwingt in Berlin besonders geschmeidig. Wer gestern noch über die „Transformation“ der Industrie dozierte, sitzt heute bei den Profiteuren dieser Transformation am Tisch. Das ist kein Zufall, das ist ein Geschäftsmodell. Wie die Zeit analysiert, bietet Habeck nun eine Perspektive, die weit über das Tagesgeschäft hinausgeht. Was genau diese Perspektive beinhaltet, bleibt freilich im Vagen – ein geschickter Schachzug, denn im Vagen lässt es sich bekanntlich am besten Honorare rechtfertigen.

Es ist ein bemerkenswertes Schauspiel der Zeitgeschichte: Der Mann, der den Ausstieg aus der Kernenergie und die forcierte Energiewende als heiligen Gral verkaufte, berät nun jene Akteure, die mit der Volatilität der Märkte ihr Geld verdienen. Man darf gespannt sein, ob er dort auch mit der gleichen Emphase über „Heizungsgesetze“ oder „soziale Gerechtigkeit“ referiert wie einst am Kabinettstisch. Wahrscheinlicher ist, dass er die Welt nun durch die Brille der Rendite betrachtet. Es ist ein befreiendes Gefühl, wenn die Verantwortung für das Wohl eines ganzen Landes durch die Verantwortung für ein Investmentportfolio ersetzt wird.

Dabei bleibt die Frage: Was qualifiziert einen Politiker, dessen Bilanz in der Realwirtschaft eher durch regulatorische Eingriffe als durch unternehmerische Freiheit geprägt war, für eine Beraterrolle in der Investmentwelt? Vielleicht ist es gerade diese Erfahrung der staatlichen Lenkung, die nun als „strategisches Wissen“ verkauft wird. Wer weiß, wie man Märkte durch Gesetze erschüttert, der weiß auch, wo sich die Lücken auftun, in die man investieren kann. Es ist eine zynische, aber durchaus logische Schlussfolgerung.

Die deutsche Öffentlichkeit nimmt dieses Manöver mit einer Mischung aus Apathie und Galgenhumor zur Kenntnis. Man hat sich längst daran gewöhnt, dass politische Verantwortung keine Konsequenzen im Sinne eines Rückzugs ins Privatleben kennt. Stattdessen wird die Karriere einfach auf einer höheren, besser bezahlten Ebene fortgesetzt. Die moralische Instanz von gestern wird zur wertvollen Ressource von heute. Wer könnte es ihm verübeln? In einem System, das Scheitern belohnt, ist Beharrlichkeit die einzige Währung, die zählt.