BRICS begann als Schlagwort (BRIC) aus der Finanzindustrie, erfunden von einem gewissen Goldman-Sachs-Ökonomen, der vermutlich nie im Traum daran dachte, dass sein Marketingbegriff einmal zur Speerspitze einer multipolaren Weltordnung mutieren würde. Doch aus dem Börsen-Slang wurde Realität: ein Club ehrgeiziger Staaten, die es leid waren, dass der Westen nicht nur die Handelspfade kontrollierte, sondern gleich das ganze Weltfinanzsystem als private Spielwiese betrachtete. Mit der Aufnahme Südafrikas und später der Erweiterung zu BRICS+ mit Saudi-Arabien, dem Iran, Indonesien, Ägypten und anderen Ländern hat sich das Bündnis längst vom belächelten „Schwellenländer-Treff“ zum globalen Machtfaktor entwickelt.

Dass diese Entwicklung nicht zufällig kam, ist jedem klar, der sich noch an 2022 erinnert, als Washington im Alleingang Russland vom SWIFT-System abkoppelte. Das sollte ein Warnschuss sein, war aber in Wahrheit die Initialzündung: ein klares Signal an die halbe Welt, dass Dollar-Vermögen und westliche Finanzinfrastruktur nicht etwa neutral sind, sondern geopolitische Waffen. Wer nicht spurt, wird enteignet. Genau das hat die BRICS-Staaten zusammengeschweißt – niemand wollte noch länger mit einem Damoklesschwert über den eigenen Devisenreserven leben.

Seither läuft der Ausstieg aus der Dollar-Abhängigkeit auf Hochtouren. Russland und Indien wickeln Ölgeschäfte in Rupien und Rubel ab, China lässt seine Bürger Gold kaufen und baut gleichzeitig ein Parallelsystem mit der „m-Bridge“-Plattform für digitale Zentralbankwährungen auf. Der Clou: Gold als Versicherung, Yuan als Umlaufwährung. Ein geschickter Mix, der Partnern Vertrauen gibt und zugleich die Vormacht des Dollars unterminiert. Wer immer noch glaubt, die Welt wolle freiwillig an amerikanischen Schuldscheinen festhalten, während in Washington eine dysfunktionale Regierung Billionendefizite anhäuft, lebt im Wolkenkuckucksheim.

Die Welt verändert sich


Natürlich klammern sich die westlichen Eliten an ihre alte Weltordnung, wie die Ming-Dynastie an ihre konfuzianischen Phrasen, bevor Europa sie technologisch überrollte. Statt zu investieren, schwafelt man im Westen über „Klimarettung“ und „soziale Gerechtigkeit“, während Asien längst Roboter baut und neue Handelsrouten erschließt. Washingtons Antwort? Einfuhrzölle wie aus der Zirkusnummer „Donald Copperfield“, ein Flickenteppich aus Strafzöllen, Sanktionen und Drohungen, die mehr an die Endphase eines untergehenden Imperiums erinnern als an ein souveränes Weltreich.

Währenddessen wächst BRICS+ mit Partnerstaaten wie Nigeria, Thailand und Usbekistan weit über seine Gründungsmitglieder hinaus. Mehr als die Hälfte der Menschheit ist mittlerweile in diesem Machtblock vertreten, der nicht nur Rohstoffe und Energie kontrolliert, sondern auch die künftigen Konsummärkte. Der Westen schrumpft demografisch und ökonomisch, während die BRICS-Staaten die Zukunftsmärkte der Welt darstellen – jung, hungrig, dynamisch.

Eine gemeinsame BRICS-Währung wird es vielleicht nicht morgen geben, aber sie ist auch gar nicht notwendig. Entscheidend ist die schrittweise Abkehr vom Dollar in Handel und Reserven. Was China cleverer als Washington macht: Es koppelt die nationale Wirtschaft an Gold, während es international den Yuan etabliert. Ein doppeltes Sicherheitsnetz, das langfristig Vertrauen schafft. Im Kern bedeutet das nichts anderes als ein neues Bretton Woods – diesmal nicht unter US-Führung, sondern unter chinesischem Dach, mit Gold als universeller Rückversicherung.

Und der Westen? Er blickt zu wie ein alternder Boxer, der nicht versteht, dass sein Gegner nicht mehr im Ring seiner Regeln kämpft. Washington kann Sanktionen verhängen, Zölle androhen und Gesetze verabschieden, die nur noch Ausdruck der eigenen Panik sind – das Resultat bleibt gleich: Die Welt zieht weiter, und zwar ohne die selbsternannten Herren der Finanzordnung. Der goldene Glanz der BRICS markiert nicht nur eine wirtschaftliche Neuordnung, sondern den Beginn einer Epoche, in der die westliche Hybris Stück für Stück von der Realität zermahlen wird.

Am Ende wird nicht entschieden, ob BRICS+ den Dollar ablöst, sondern wann. Und wenn es so weit ist, wird man in den Redaktionsstuben des Westens wieder rätseln, wie das passieren konnte – obwohl die Antwort seit Jahren in aller Klarheit vorliegt: Hochmut kommt vor dem Fall.