Die Verbraucherpreise in der Türkei sind im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 70 Prozent gestiegen, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten offiziellen Daten hervorgeht. Die Inflation ist angesichts steigender Energiepreise vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Konflikts und aufgrund des Lira-Absturzes Ende letzten Jahres in die Höhe geschnellt.

Die vom türkischen Statistikamt veröffentlichte Zahl übertraf die Schätzung der Zentralbank von 68 Prozent und stellt den stärksten Anstieg seit zwei Jahrzehnten dar. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 7,25 Prozent. Die Lebensmittelpreise sind seit dem letzten Jahr um 89 Prozent gestiegen, die Transportkosten um 105,9 Prozent. Den Daten zufolge lag die jährliche Kerninflation bei 52,4 Prozent. Die Regierung hofft, dass sich der Anstieg der Lebenshaltungskosten, der durch die gestiegenen Rohstoffpreise infolge des Ukraine-Konflikts angeheizt wird, ab Mai verlangsamen wird.

Die Türkei importiert 93 Prozent des Öls und 99 Prozent des Gases, das sie verbraucht. Die Sanktionen gegen den russischen Energiesektor wegen des Konflikts in der Ukraine und andere geopolitische Faktoren haben zu einer weltweiten Rallye der Öl- und Gaspreise geführt. Auch die stark steigenden Preise für Lebensmittel, von denen viel importiert werden muss, um den nationalen Bedarf zu decken, wirken sich äußerst ungünstig auf die Inflation aus.

Die türkische Lira verlor im vergangenen Jahr 44 Prozent ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar, nachdem die türkische Zentralbank im November die Zinssätze um einen vollen Prozentpunkt gesenkt hatte - die dritte Senkung seit September - und angedeutet hatte, dass sie die Zinsen im Dezember erneut senken würde, um die steigende Inflation einzudämmen.

Damit geht die Notenbank, die unter dem Einfluss von Präsident Erdogan steht, äußerst unkonventionell vor, zumal die gängige Geldtheorie das Gegenteil rät - und zwar unabhängig davon, welche Ursachen hinter den Preissteigerungen stehen. Dies führt in der Regel dazu, dass die "überhitzte Wirtschaft" in eine Rezession übergeht, was dann wiederum die Inflationsrate senken soll. Diverse Ökonomen unterstützen jedoch Erdogans Kurs, zumal die türkische Inflation - gerade in diesen Zeiten - durch externe Faktoren angeheizt wird,