Trump betonte am Freitag vor Journalisten, dass der Vertrag nicht einfach auslaufen dürfe. „Das ist keine Vereinbarung, die man auslaufen lassen will. Wir fangen an, daran zu arbeiten“, erklärte er vor seinem Abflug nach Schottland. Die Warnung ist deutlich: Ohne neue Abmachungen droht ein unkontrolliertes Wettrüsten zwischen den beiden größten Atommächten der Welt.

Die Uhr tickt: Der New-START-Vertrag läuft am 5. Februar 2026 aus. Schon jetzt ist klar, dass die Zeit drängt. Trump, der sich als starker Verhandler inszeniert, will offenbar ein neues Kapitel in der internationalen Sicherheitspolitik aufschlagen. Doch die Hürden sind hoch, das Misstrauen zwischen Washington und Moskau sitzt tief. Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und den gegenseitigen Vorwürfen der Einmischung in Wahlen ist das Verhältnis auf einem historischen Tiefpunkt.

Russland signalisiert Gesprächsbereitschaft

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte bereits Anfang des Jahres betont, dass ein Dialog über Rüstungskontrolle dringend notwendig sei. „Ein solcher Dialog ist für die strategische Stabilität unerlässlich“, so Peskow. Allerdings knüpfte er die Bereitschaft an eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen, die seit 2022 praktisch eingefroren sind. Die russische Führung fordert ein Mindestmaß an Vertrauen – eine Voraussetzung, die unter der aktuellen geopolitischen Lage schwer zu erfüllen scheint.

Der New-START-Vertrag wurde 2010 von den damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew und Barack Obama unterzeichnet. Er gilt als letzter großer Pfeiler der nuklearen Rüstungskontrolle zwischen den USA und Russland. Schon zuvor hatte die Trump-Regierung jedoch zentrale Abkommen aufgekündigt: 2019 zog sich Washington aus dem INF-Vertrag zurück, der Mittelstreckenraketen verbot. Kurz darauf folgte das Ende des Open-Skies-Abkommens, das gegenseitige Überwachungsflüge erlaubte. Moskau reagierte mit eigenen Ausstiegen und warf den USA vor, das internationale Kontrollsystem zu demontieren.

Die Folgen eines Scheiterns wären gravierend. Ohne verbindliche Obergrenzen könnten beide Seiten ihre Arsenale massiv aufstocken. Experten warnen vor einer neuen Runde des Wettrüstens, die nicht nur Europa, sondern die ganze Welt bedrohen würde. Gerade in Zeiten multipler Krisen – von der Ukraine bis zum Nahen Osten – wäre ein Ende der Rüstungskontrolle ein fatales Signal.

Neue Dynamik oder alter Stillstand?

Ob Trumps Vorstoß tatsächlich zu neuen Verhandlungen führt, bleibt abzuwarten. Die russische Seite hat mehrfach betont, dass sie zu Gesprächen bereit sei – allerdings nur auf Augenhöhe und ohne Vorbedingungen. Die USA wiederum fordern von Moskau klare Bekenntnisse zur Einhaltung internationaler Normen. Die Fronten sind verhärtet, doch der Druck wächst. Auch China, das bislang nicht Teil der großen Abrüstungsverträge ist, rückt zunehmend in den Fokus der US-Strategen.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob es gelingt, das Ruder herumzureißen. Klar ist: Ein Scheitern der Gespräche würde das internationale Sicherheitsgefüge nachhaltig erschüttern. Die Weltgemeinschaft ist gefordert, den Dialog zu unterstützen und auf eine Rückkehr zur Vernunft zu drängen. Denn die Alternative – ein neues nukleares Wettrüsten – kann niemand wollen.