Die demografische Entwicklung in Deutschland ist unaufhaltsam: Die Gesellschaft altert, während die Zahl der Beitragszahler schrumpft. Schon jetzt liegt die Abgabenlast für Sozialleistungen bei rund 42 Prozent des Bruttoeinkommens – Tendenz steigend. Werding, Mitglied des Sachverständigenrats Wirtschaft, rechnet damit, dass die Sozialabgaben bereits im kommenden Jahr auf 43 Prozent klettern. Besonders die Krankenkassen treiben die Entwicklung voran: Viele haben ihre Zusatzbeiträge erneut erhöht, sodass der Durchschnitt inzwischen bei 17,5 Prozent liegt. Auch in der Pflegeversicherung droht zum Jahreswechsel eine weitere Anhebung.

Die Rentenkasse bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. Spätestens 2028, so Werding, werden die Rentenbeiträge sprunghaft auf fast 20 Prozent steigen. Damit ist eine Gesamtbelastung von 45 Prozent bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode realistisch. Die Politik diskutiert zwar verschiedene Maßnahmen, doch diese greifen laut Werding viel zu kurz. Die Einbeziehung von Beamten in die Sozialversicherungen oder die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen könnten an anderer Stelle neue Löcher reißen, etwa in den Haushalten der Länder.

Zuwanderung und Sozialstaat: Ein unlösbarer Widerspruch?

Die steigenden Sozialabgaben werfen eine grundsätzliche Frage auf: Kann Deutschland gleichzeitig ein Sozialstaat und ein Zuwanderungsland sein? Die Erfahrung zeigt, dass beides kaum miteinander vereinbar ist. Wer großzügige Sozialleistungen bietet, zieht zwangsläufig Menschen an, die auf Unterstützung angewiesen sind. Das belastet die Systeme zusätzlich und verschärft die Finanzierungsprobleme. Schon jetzt ist zu beobachten, dass ein wachsender Teil der Zuwanderer in die Sozialsysteme einwandert, statt in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Die Folge: Die Beitragszahler werden immer weniger, die Empfänger immer mehr.

Ökonom Werding fordert deshalb einen radikalen Kurswechsel. Ohne tiefgreifende Reformen droht dem deutschen Sozialstaat der Kollaps. Die Politik steht vor einer historischen Bewährungsprobe: Entweder gelingt es, die Systeme nachhaltig zu stabilisieren – oder die Abgabenlast wird für viele Bürger unerträglich. Klar ist: Ein „Weiter so“ kann sich Deutschland nicht mehr leisten.