Oleksij Arestowitsch, einst enger Berater von Präsident Selenskyj und nun sein schärfster Kritiker, schlägt Alarm. Mit der Dringlichkeit eines Arztes, der einen Patienten vor dem sicheren Tod bewahren will, warnt er: "Ohne Friedensverhandlungen könnte die Front in drei bis vier Monaten zusammenbrechen."

Arestowitsch, der die Innereien des ukrainischen Machtapparats kennt wie seine Westentasche, zeichnet ein düsteres Bild der Lage. Die vielgepriesene Gegenoffensive? Ein Papiertiger, der im Schlamm der Realität stecken geblieben ist. Die westlichen Waffenlieferungen? Ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der schieren Masse der russischen Militärmaschinerie.

Die Realität an der Front ist so nüchtern wie ein kalter Wodka zum Frühstück: An vier Frontabschnitten - Pokrowsk, Torezk, Tschassiw Jar und Kupjansk - bröckelt die ukrainische Verteidigung wie ein morscher Damm. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Doch in Kiew scheint man taub für solche Warnrufe. Stattdessen starrt die politische Elite wie hypnotisiert auf den fernen Horizont der US-Präsidentschaftswahlen, als ob von dort das Heil kommen würde. Eine gefährliche Wette, wenn man bedenkt, dass der russische Bär seine Krallen schon wetzt.

Arestowitsch, der sich vom Maidan-Unterstützer zum Friedensapostel gewandelt hat, plädiert für einen Realitätscheck. Sein Vorschlag? Eine geteilte Ukraine, ähnlich dem deutschen oder koreanischen Modell. Eine bittere Pille, aber vielleicht die einzige Medizin, die das Land vor dem Kollaps bewahren kann.

Die Uhr tickt für die Ukraine. Während Moskau seine Muskeln spielen lässt, steht Kiew vor einer Schicksalsentscheidung: Verhandeln oder untergehen? Arestowitsch hat seine Wahl getroffen. Nun liegt es an Selenskyj und Co., ob sie den Mut haben, der unbequemen Wahrheit ins Auge zu blicken.

In diesem geopolitischen Schachspiel steht die Ukraine kurz davor, schachmatt gesetzt zu werden. Die Frage ist nur: Wird Kiew rechtzeitig erkennen, dass es Zeit ist, die Figuren neu aufzustellen?