Die Schweiz hat einen Notfallplan für den Fall einer Energiekrise entwickelt, wenn die Erdgas- und Stromlieferungen knapp werden, berichtete die Basler Zeitung diese Woche. Nach Angaben der Zeitung arbeitet die Schweizer Regierung seit mehreren Monaten gemeinsam mit Industrieunternehmen an dem Plan.

Er umfasst mehrere Schritte, die von einer öffentlichen Sensibilisierungskampagne mit Aufrufen zum Energiesparen, wie dem Ausschalten von Schaufensterbeleuchtung und Heizungen, bis hin zur Rationierung von Strom für etwa 30.000 große Energieverbraucher reichen.

Die Regierung warnt auch vor der Möglichkeit von Stromabschaltungen in bestimmten Gebieten des Landes von vier bis acht Stunden pro Tag als strengere Maßnahme. Der Plan werde im Falle einer Stromknappheit in Kraft treten, sagte der Chef des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE), Michael Frank, dem Blatt.

"Man muss sich das wie ein Puzzle vorstellen. Einzelne Segmente würden für vier Stunden abgeschaltet, dann wieder eingeschaltet, während andere abgeschaltet werden. Einige Teile des Netzes - die Teile des Puzzles - wären vier Stunden lang ohne Strom, dann wieder vier oder acht Stunden lang, je nach Situation", so Frank.

Ein anderer Teil betrifft das Sparen von Gas. Regierungsexperten schätzen, dass Aufrufe zur Verbrauchsreduzierung dazu beitragen würden, den Gasverbrauch um 5 % zu senken. Der Plan sieht auch eine Umstellung der Unternehmen auf Ölprodukte statt Gas vor, sofern dies möglich ist. Die Regierung schätzt, dass diese Maßnahmen den Verbrauch um bis zu 20 % senken könnten. Ein weiterer Schritt besteht darin, die Temperatur in öffentlichen Gebäuden und Büros zu begrenzen.

Laut dem Papier ist die Schweiz derzeit vollständig mit Strom versorgt. Die kürzlich abgeschlossenen jährlichen Wartungsarbeiten an der russischen Gaspipeline Nord Stream 1 hätten sich nicht auf das Land ausgewirkt, da die Gasspeicher zuvor gefüllt gewesen seien.

Ob der Energiesparplan umgesetzt wird, hängt dem Bericht zufolge jedoch davon ab, ob und in welchen Mengen Russland weiterhin Gas an europäische Kunden liefern wird.