Bundeskanzler Olaf Scholz hat am Sonntag behauptet, Russland könne nicht als zuverlässiger Energielieferant angesehen werden. Er warf Moskau vor, seine vertraglichen Verpflichtungen zu verletzen.
Auf einer Pressekonferenz mit den Parteivorsitzenden der Grünen und der FDP sagte er, Moskau sei "zu Zeiten des Kalten Krieges" immer ein verlässlicher Energiepartner gewesen, aber diese Regel gelte nicht mehr.
Die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts und der damit verbundenen Sanktionen seien in Deutschland deutlich zu spüren, aber Berlin werde Kiew auch weiterhin gegen Russland unterstützen, so der Bundeskanzler.
Scholz rechnet damit, dass Deutschland eine harte Zeit durchmachen wird, zeigte sich aber zuversichtlich, dass das Land die Energieknappheit in der kommenden Wintersaison meistern wird.
Deutschland hat mit Problemen bei der Erdgasversorgung über Nord Stream 1 zu kämpfen, die seit dem 31. August vollständig abgeschaltet ist. Die Erdgaspipeline unter der Ostsee war seit Juni zu 40 % ausgelastet und lieferte rund 67 Millionen Kubikmeter pro Tag. Der anfängliche Lieferrückgang war auf die verspätete Rückkehr der Gasturbinen nach einer planmäßigen Wartung in Kanada zurückzuführen, die auf die Sanktionen Ottawas gegen Russland zurückzuführen ist.
Im Juli sanken die Lieferungen über die Pipeline auf 20 %, da die verbleibenden Turbinen überholt werden mussten. Anfang dieser Woche wurden die Lieferungen für eine geplante dreitägige Wartungspause vollständig unterbrochen, und Gazprom kündigte später eine Abschaltung auf unbestimmte Zeit an, nachdem in einer Turbine ein Ölleck festgestellt worden war.
Mehrere EU-Politiker haben Moskau vorgeworfen, die Gasexporte als geopolitische Waffe einzusetzen, was der Kreml bestreitet.



