Die Sanktionen Russlands gegen die frühere deutsche Gazprom-Tochter könnten Deutschland rund 5 Milliarden Euro (5,36 Milliarden Euro) an zusätzlichen Kosten pro Jahr kosten, berichtete die Zeitung "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Quellen in der Branche.

Am 31. März hatte sich der staatliche russische Energieriese und große Gasexporteur Gazprom aus Gazprom Germania zurückgezogen, nachdem Berlin das Unternehmen im Zuge der Ukraine-Sanktionen gegen Russland unter Treuhänderschaft gestellt hatte. Moskau stellte daraufhin die Gaslieferungen an das Unternehmen ein, die sich auf etwa 10 Milliarden Kubikmeter pro Tag beliefen und am 11. Mai wurde Gazprom Germania von Russland mit Sanktionen belegt.

Das Unternehmen ist nun gezwungen, im Rahmen neuer Verträge Gas auf dem Großhandelsmarkt zu kaufen, um seine Lieferverträge mit deutschen Stadtwerken und Regionalversorgern weiterhin zu erfüllen. Diese Verträge könnten erheblich teurer sein als die mit der russischen Gazprom, wobei sich die Differenz nach dem Weiterverkauf an die Versorgungsunternehmen auf etwa 2,5 Mrd. EUR (2,68 Mrd. USD) pro Jahr belaufen würde, schreibt die Nachrichtenagentur unter Berufung auf Berliner Behörden.

Auch die Befüllung des Gasspeichers Rehden in Niedersachsen, Deutschlands größtem Gasspeicher und ebenfalls eine ehemalige Gazprom-Tochter, wird schätzungsweise 2,5 Mrd. Euro an zusätzlichen Kosten verursachen.

Nach Informationen der "Welt" könnten diese Mehrkosten bald auf die deutschen Gasverbraucher zukommen. Ab Oktober müssen die Gasverbraucher einen neuen Aufschlag zahlen, um die gestiegenen Großhandelskosten zu kompensieren. Nach dem Gasspeichergesetz kann der größte deutsche Gaseinkäufer und Pipelinebetreiber, Trading Hub Europe, seine Kosten an die regionalen Versorger und Stadtwerke weitergeben, die den neuen Aufschlag auf die Rechnungen der Verbraucher aufschlagen müssen.

Der Betreiber soll demnahc bestätigt haben , dass er in naher Zukunft eine neue Umlage" für die Zuschläge festlegen, veröffentlichen und abrechnen wird. Das deutsche Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz lehnte es ab, sich zu der Aussicht auf zusätzliche Kosten zu äußern.

Letzten Monat warnte der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck jedoch, dass Russlands Vergeltungssanktionen zu einem Anstieg der Kosten führen könnten, die Deutschland für die Gasversorgung des Landes zu tragen hat.