Berlin hat die Entscheidung des russischen Energieriesen Gazprom verurteilt, den Gasfluss durch die Nord Stream-Pipeline wegen technischer Probleme zu unterbrechen. Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck bezeichnete den Schritt als politisch motiviert, berichtet "RT International"
"Ich habe den Eindruck, dass es sich bei dem, was gestern passiert ist, um eine politische Entscheidung handelt und nicht um eine Entscheidung, die technisch zu rechtfertigen ist", sagte Habeck am Mittwoch vor Reportern.
Gazprom kündigte an, die Kapazität der Gaslieferungen über die Nord Stream-Pipeline um 67 Millionen Kubikmeter pro Tag auf etwa 100 Millionen Kubikmeter zu reduzieren. Das Unternehmen erklärte, es habe den Betrieb einer weiteren Siemens-Pumpeneinheit an der Pipeline einstellen müssen und machte für die technischen Probleme die westlichen Sanktionen verantwortlich. Die reparierten Gaspumpeinheiten für die Nord-Stream-Pipeline können nämlich aufgrund der Sanktionen Kanadas gegen Russland nicht aus einer Fabrik in Kanada zurückgeschickt werden.
"Aufgrund des Ablaufs der Zeit vor der Überholung (in Übereinstimmung mit den Anweisungen von Rostekhnadzor und unter Berücksichtigung des technischen Zustands der Einheit) stoppt Gazprom den Betrieb einer weiteren Siemens-Gaspumpeinheit in der Portovaya-Kompressorstation", so das Unternehmen.
Habeck stellte diese Einschätzung jedoch in Frage und bezweifelte, dass die Abschaltung eines einzigen Aggregats tatsächlich etwa 40 % des Durchflusses beeinträchtigen könnte. Der Minister wies auch darauf hin, dass die Wartungsarbeiten an der Pipeline, die eine "relevante" Auswirkung auf den Durchfluss gehabt hätten, von Siemens erst im Herbst dieses Jahres durchgeführt werden sollten.
Habeck betonte auch, dass diese Wartungsarbeiten nicht von den Sanktionen gegen Russland betroffen seien, und erklärte, er habe sich in dieser Angelegenheit persönlich mit der Europäischen Kommission beraten. Berlin führe auch Gespräche mit Ottawa, um zu klären, ob die in Kanada festsitzenden Pumpeinheiten von den Sanktionen betroffen seien oder nicht, sagte Habeck.
Die unter der Ostsee verlaufende Nord Stream verbindet die Verdichterstation Portovaya in Russland mit ihrem Gegenstück in Greifswald im Nordosten Deutschlands. Der europäische Markt wird über die Pipeline mit rund 55 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr versorgt.



