Russland wird in diesem Jahr aufgrund der hohen Preise auf den Spotmärkten Rekordeinnahmen aus dem Erdgasverkauf erzielen, so Janis Kluge, Eurasien-Forscher bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, gegenüber ntv.de. "Fast die Hälfte des russischen Haushalts basiert auf Geschäften mit Öl und Gas. Der Staat verdient enorm an Förderabgaben und Exportzöllen. Er erhält die Einnahmen in Rubel, und die Höhe wird von zwei Faktoren bestimmt: erstens von den Energiepreisen auf dem Weltmarkt und zweitens vom Wechselkurs des Rubels", so Kluge.
Ihm zufolge werden die Einnahmen aus dem Gasgeschäft in diesem Jahr stark ansteigen, da viele der russischen Gasverträge an die steigenden Spotpreise angepasst werden. "Der Gaspreis auf den Spotmärkten hat sich innerhalb des letzten Jahres verfünffacht. Das bedeutet, dass Gazprom Rekorderlöse erzielen wird", sagte er, während er gleichzeitig vorhersagte, dass die Kosten in den nächsten Monaten erheblich steigen werden.
Ähnlich verhält es sich laut Kluge beim Öl, das vom sanktionsbedingten Rubelverfall profitiert. "Russland hat den Staatshaushalt mit einem Dollar-Rubel-Kurs von 72 geplant, aber jetzt liegt der Rubel bei 85, also viel schwächer, aber mit Blick auf die Energieexporte ist das ein Vorteil. Multipliziert man den Ölpreis mit dem Rubelkurs, so zeigt sich, dass Moskau mit Einnahmen von rund 4.500 Rubel pro Barrel Öl gerechnet hat, aber viel mehr bekommt, nämlich rund 7.000 Rubel."
Ihm zufolge wird der Gewinn aus den Energieverkäufen ausreichen, um die Auswirkungen der Sanktionen gegen die Ukraine auf die russische Wirtschaft zu decken, unter anderem durch die Eindämmung der Inflation.
Kluge glaubt auch, dass die Kosten der Operation in der Ukraine nicht sehr hoch sind und dass wirtschaftliche Maßnahmen, abgesehen von einem vollständigen Embargo, kaum "die Panzer aufhalten" werden. Und da die russische Zentralbank erfinderisch bei der Einführung von Gegenmaßnahmen war, um die Wirtschaft über Wasser zu halten, sagt Kluge voraus, dass Russland die Sanktionen (siehe auch "Feindbild Putins Russland - Kalter Krieg 2.0") überleben und in diesem Jahr sogar einen Haushaltsüberschuss erzielen wird.



