Polen ist eines jener Länder in Europa, das sich weigert für russisches Erdgas in Rubel zu bezahlen. Dies führte nun offenbar dazu, dass Gazprom die Lieferungen über die Jamal-Pipeline in das Land eingestellt hat. Laut einem Bericht des größten polnischen Nachrichtenportals, Onet, hat die staatliche Öl- und Gasgesellschaft PGNiG eine Krisensitzung abgehalten.
Warschau hat demnach 50 russische Firmen und Oligarchen, darunter auch Gazprom selbst, mit Sanktionen belegt.
Ein weiterer Grund für den gemeldeten Stopp der russischen Gaslieferungen könnte sein, dass der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki am Montag zum ersten Mal bestätigte, dass sein Land Panzer in die Ukraine geschickt hat: "Ja", sagte Morawiecki auf die Frage, ob Polen Panzer in die Ukraine geschickt habe oder schicken werde. Er lehnte es ab, weitere Einzelheiten, einschließlich der Anzahl der entsandten Panzer, zu nennen.
Zuvor hatte Warschau im März versucht, MiG-29-Kampfjets auf den Luftwaffenstützpunkt Ramstein zu schicken, um sie von den USA nach Kiew liefern zu lassen, was das Pentagon als verfrüht und risikoreich ablehnte.
Polen beherbergt auch US-Truppen, die in letzter Zeit die ukrainischen Streitkräfte im Umgang mit modernen Waffen wie Drohnen ausbilden. Sollten sich diese neuen Berichte über einen Gaslieferstopp an Polen bestätigen, hat Moskau offenbar genug.
Nach den ersten Berichten, die die europäischen Gasfirmen in helle Aufregung versetzten, hat Polen bestätigt, dass eine Aussetzung der Gaslieferungen bevorsteht, wenn es nicht bereit ist, in Rubel zu zahlen. Bloomberg berichtet nun: "Polens wichtigster Gasversorger PGNiG sagt, er sei von Gazprom informiert worden, dass ab Mittwoch um 8.00 Uhr MEZ alle Erdgaslieferungen gestoppt werden." Und weiter: "PGNiG sagt, man werde Schadenersatz wegen Vertragsbruchs fordern." Die Nachricht kommt nach einer Krisensitzung des polnischen Klimaministeriums. Angesichts des Ultimatums aus Moskau müssen nun offenbar einige endgültige Entscheidungen getroffen werden.
Warschau bereitet sich jedenfalls schon einmal darauf vor, kein Gas mehr aus Russland zu erhalten. "Polen verfügt über die notwendigen Gasreserven und Versorgungsquellen, die unsere Sicherheit gewährleisten - wir sind seit Jahren praktisch unabhängig von Russland. Unsere Lagerhäuser sind zu 76 Prozent gefüllt. In den polnischen Haushalten wird es keine Gasknappheit geben", so die polnische Klimaministerin Anna Moskwa. Inzwischen hat Gazprom bestätigt, dass die Lieferungen ab morgen eingestellt werden, nachdem bereits die Jamal-Europa-Pipeline Berichten zufolge die Lieferungen eingestellt hat. Wobei man anmerken muss, dass Polen auch viel Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten bezieht, welches man jedoch nicht gerade als umweltfreundliche Alternative zum russischen Gas über die Pipelines bezeichnen kann, zumal dieses mit Schiffen über den Atlantik geschippert wird.



