Gestern gab der deutsche Bundeskanzler, Olaf Scholz, bekannt, dass die Inbetriebnahme der Erdgaspipeline Nord Stream 2 weiter ausgesetzt wird. Damit will Berlin Moskau für die "Eskalation in der Ukraine" bestrafen. Allerdings leiden die Russen weniger darunter als die deutschen Gaskonsumenten - namentlich die Bürger und die Unternehmen. Sie dürfen nämlich damit rechnen, dass die Energiepreise (also Erdgas selbst, aber auch Strom) nun deutlich in die Höhe schießen werden.

Dimitri Medwedew hatte deshalb gestern schon getwittert: "Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat angeordnet, das Verfahren zur Zertifizierung der Nord Stream 2-Gaspipeline zu stoppen. Nun ja. Willkommen in der schönen neuen Welt, in der die Europäer schon bald 2.000 Euro für 1.000 Kubikmeter Erdgas bezahlen werden!"

Fast die Hälfte des ganzen importierten Erdgases in die Europäische Union stammt aus Russland. Doch schon jetzt sind die Gas-Lager so leer wie schon lange nicht mehr und die Preise hoch. Nun wird sich die Lage noch weiter verschlechtern.

Katar kann Russland nicht ersetzen


Katar, einer der größten Flüssiggasexporteure der Welt, kann nur 10-15 Prozent seiner LNG-Frachtverträge auf andere Bestimmungsorte umleiten, sagte der katarische Energieminister Saad al-Kaabi am Dienstag inmitten der Eskalation der Russland-Ukraine-Krise und fügte hinzu, dass es "fast unmöglich" sei, die russischen Gaslieferungen nach Europa kurzfristig zu ersetzen.

Die Energiemärkte reagierten am Dienstag, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin zwei abtrünnige Regionen in der Ostukraine anerkannt und Truppen dorthin beordert hatte, mit einem Anstieg der Ölpreise auf fast 100 Dollar pro Barrel und einem zweistelligen Anstieg der europäischen Gaspreise, auch angesichts der Nachricht, dass Deutschland das von Russland geleitete Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 stoppt.

"Ich denke, Russland liefert 30-40 Prozent der europäischen Gasversorgung. Es gibt kein einzelnes Land, das diese Menge ersetzen kann, es gibt nicht die Kapazität, dies mit LNG zu tun", sagte al-Kaabi am Dienstag auf einer Gaskonferenz in Doha, wie Reuters berichtete. "Die meisten LNG-Lieferungen sind an langfristige Verträge und eindeutige Bestimmungsorte gebunden. Es ist also fast unmöglich, diese Menge so schnell zu ersetzen", so der Minister. Im Falle Katars seien nur bis zu 15 Prozent der LNG-Verträge umlenkbar, fügte er hinzu.

Damit wird klar, dass sich Deutschland und die Europäer auf unsichere und vor allem teurere Zeiten einstellen werden müssen, was die Gasversorgung betrifft.