Wegen des russischen Einmarsches in die Ukraine hat der US-geführte Westen einen Wirtschafts- und Finanzkrieg gegen Russland entfesselt. Moskau reagierte darauf unter anderem damit, dass "unfreundliche Staaten" ihre Zahlungen ab dem 1. April für das gelieferte Erdgas in Rubel (oder wie später erklärt auch alternativ in Gold oder Bitcoin) leisten müssen. Am Montag behauptete dann Deutschlands Energieminister Robert Habeck (Grüne), dass dies ein "einseitiger und klarer Bruch von Verträgen" sei. Die G7-Staaten würden dies ablehnen.
Doch was ist mit den vielen deutschen und europäischen Unternehmen, die aufgrund der Sanktionen gegen Russland nun ihre Verträge nicht mehr erfüllen können und ebenfalls einseitig diese brechen müssen? Ja, müssen. Und dann stellt sich auch die Frage: Warum sollte Moskau weiterhin Zahlungen in US-Dollar oder Euro akzeptieren, wenn diese jederzeit vom Westen konfisziert werden können?
Kremlsprecher Dmitri Peskow hat schon gesagt, dass Moskau entsprechend darauf reagieren werde, wenn sich der Westen weigert, das Erdgas in Rubel zu bezahlen. "Aber wir werden ganz sicher kein Gas zum Nulltarif liefern, das ist klar. Wohltätigkeit ist in unserer Situation kaum möglich und sinnvoll", betonte er. https://tass.com/politics/1428229
Es zeigt sich wieder einmal, wie scheinheilig und doppelzüngig die westliche Politik agiert. Mit all den Sanktionen will man Russland schaden, doch selbst möchte man nicht mit zu vielen negativen Auswirkungen konfrontiert werden. Vor allem jedoch ist es der US-geführte Westen, der beispielsweise seit dem Jahr 2000 die meisten Invasionen durchführte:
2001 - Afghanistan (USA, UK, Kanada, Australien)
2002 - Westjordanland (Israel)
2003 - Irak (USA, UK, Australien, Polen, multinationale Streitmacht)
2004 - Gaza (Israel)
2006 - Libanon (Israel)
2014 - Gaza (Israel)
2016 - Syrien (Türkei)
Gab es deshalb weitreichende Sanktionen gegen die teilnehmenden Länder? Nein. Warum nicht? Weil sie alle über das US-Netzwerk miteinander verbunden sind und sich Krähen nicht gegenseitig die Augen aushacken?
Achten Sie einmal darauf, aus welchen Ländern die sogenannte "internationale Gemeinschaft" besteht, die nun Sanktionen gegen Russland verhängt hat:
Fällt Ihnen etwas dabei auf? Ja, es sind alles eng mit den Vereinigten Staaten verknüpfte Länder. Wobei beispielsweise das NATO-Mitglied Türkei ausschert und auch Israel sich aus dem Ganzen raushält. Gut, beide Länder waren selbst in völkerrechtswidrige bzw. umstrittene Invasionen beteiligt, doch es zeigt sich, dass der Einfluss Washingtons weltweit schwindet. Selbst die bislang scharf sanktionierten (ölreichen) Länder Iran und Venezuela haben die Angebote der USA ausgeschlagen, ihre Produktion zu erhöhen, auf den Weltmarkt zu werfen und dafür Erleichterungen bei den Sanktionen zu erhalten. Warum sollten sie Moskau in den Rücken fallen, nachdem die Russen sie stets weitestgehend unterstützten?
Und: Waren es nicht gerade die Vereinigten Staaten, die (gut, unter Präsident Donald Trump) einseitig diverse internationale bzw. multilaterale Abkommen brachen? Ich möchte hier nur einmal den Atomdeal mit dem Iran als Beispiel nehmen. Da ist Russlands Forderung nach einer Bezahlung in Rubel (was man als einseitige Vertragsänderung als Resultat aus sich massiv geänderten Bedingungen verstehen kann) für das gelieferte Erdgas nur ein Klacks.
Doch hier noch ein Gedanke: Die Europäer müssen sich ja dafür mit Rubeln eindecken, wobei die russische Zentralbank dafür wohl nur ungerne Euro und Dollar akzeptieren wird. Das heißt, unter Umständen müssten sie sich zuerst mit chinesischen Yuan eindecken, oder aber die Rubel mit Gold bezahlen. Ein sehr geschickter Schachzug, der einerseits dem "goldgedeckten Rubel" entgegenkommt, andererseits jedoch auch die Internationalisierung der chinesischen Währung vorantreibt, während Euro und Dollar Anteile verlieren.
Russland hat ein Recht darauf, Zahlungen in Rubel zu verlangen, gerade auch wegen der Einfrierung von Dollar- und Eurokonten durch den Westen. Wie die "unfreundlichen Länder" diese bekommen, ist deren Sache.



