Deutschland kann nicht alle Energieimporte aus Russland abstellen, räumte Außenministerin Annalena Baerbock am Dienstag ein. Berlin müsse sicherstellen, dass das Land kontinuierlich mit Energie versorgt werde, wenn es den Winter überstehen wolle, sagte sie.
Die Bundesregierung wolle nicht "die Fehler" der Vergangenheit wiederholen und "Versprechungen machen, die wir nicht halten können", sagte die Ministerin auf einer Konferenz der Leiter der deutschen diplomatischen Vertretungen und kommentierte die anhaltende Ablehnung des Kabinetts gegenüber einem totalen Embargo für russisches Öl und Gas.
Wir können nicht von einem Tag auf den anderen auf fossile Brennstoffe aus Russland verzichten.
Baerbock verteidigte die Entscheidung Deutschlands, seine Abhängigkeit von russischen Energielieferungen "Schritt für Schritt" zu verringern, trotz der Kritik aus anderen europäischen Ländern. Die Strategie koste Berlin aber immer noch "wahnsinnig viel Geld", das vom Steuerzahler bereitgestellt werde.
Deutschland habe ohnehin "nie" wirklich billiges Gas aus Russland erhalten. Baerbock argumentierte, dass Deutschland einen Preis mit seiner eigenen Sicherheit bezahlt habe, indem es dem staatlichen russischen Energieriesen Gazprom erlaubt habe, Infrastrukturen auf seinem Territorium zu erwerben.
"Der Preis mag in bestimmten Momenten günstig gewesen sein", räumte sie ein, aber die billigen Preise hätten zu einer "blinden Abhängigkeit" Berlins von Moskau geführt, die Baerbock nun als "Sicherheitsrisiko" betrachtet.
"Wir haben für jeden Kubikmeter russisches Gas doppelt und dreifach mit unserer nationalen Sicherheit bezahlt."
Die Außenministerin warf Russland zudem vor, diese Abhängigkeit zu nutzen, um Deutschland offen zu erpressen", die gegen Russland verhängten Sanktionen wegen der laufenden Militäroperation in der Ukraine aufzuheben.
Auch andere EU-Staats- und Regierungschefs hatten Russland zuvor beschuldigt, die EU mit seinen Öl- und Gasexporten zu erpressen und Moskau für den Anstieg der Energiepreise verantwortlich gemacht. Der Kreml hat diese Vorwürfe zurückgewiesen und die Schuld auf die EU-Politik geschoben.



