Nach einem Tag widersprüchlicher Behauptungen und Gegenbehauptungen darüber, ob die strategisch wichtige südukrainische Stadt Cherson in russischer Hand sei, meldet die AFP kurz nach 4 Uhr morgens Kiewer Zeit: "Ukrainische Beamte bestätigen die Einnahme der südlichen Stadt Cherson durch Russland."

Kiew hatte in den vergangenen Stunden russische Berichte bestritten, wonach Cherson vollständig von den Invasionstruppen eingenommen worden sei. Dies geht aus einem aktuellen Bericht von Newsweek hervor:

Cherson, ein strategisch wichtiger Punkt am Schwarzen Meer, wurde von Russland eingenommen und ist damit die erste große ukrainische Stadt, die von den russischen Truppen eingenommen wurde. Während die Kämpfe den siebten Tag andauerten, sah man Scharen russischer Militärs auf die Stadt mit ihren rund 300.000 Einwohnern vorrücken. Am Mittwoch wurde bekannt, dass das Stadtzentrum von den Russen eingenommen wurde. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, dass sein Militär die "volle Kontrolle" über Cherson übernommen habe.

Nun warnen US-Beamte, dass eine russische Kriegsschiffsgruppe auf dem Weg nach Odessa ist - das offenbar das nächste Ziel des russischen Vormarsches von Süden her ist. Odessa ist eine wichtige Stadt am Schwarzen Meer mit über einer Million Einwohnern und beherbergt die wichtigste Operationsbasis der ukrainischen Marine.

In dem Newsweek-Bericht heißt es weiter: "Cherson bietet auch Zugang zu dem von Russland annektierten Gebiet der Krim sowie zu der wichtigen Hafenstadt Odessa." Am wichtigsten für die Russen dürfte jedoch die Lage Chersons am Schwarzen Meer sein, die es dem Militär ermöglichen könnte, seine strategische Position auszunutzen.

Es sei daran erinnert, dass gerade Odessa mit einem großen russischen Bevölkerungsanteil nach dem Maidan-Putsch Ort eines immer noch ungesühnten Verbrechens war. Damals starben 42 Menschen in einem Gewerkschaftshaus, welches von rechtsextremistischen Ukrainern angezündet wurde.

Indessen verkündeten die ukrainischen Spezialeinheiten, dass sie keine Gefangenen mehr machen werden, was eine Verletzung der Genver Konvention und somit ein Kriegsverbrechen darstellt:

Offenbar versucht die ukrainische Seite eine Brutalisierung des Krieges anzustreben, wohlwissend, dass Kiew die westlichen Medien auf seiner Seite hat. Der Kreml hat hingegen von Beginn an gesagt, dass jeder ukrainische Soldat der die Waffen niederlegt und sich ergibt gut behandelt wird und auch zu seiner Familie zurückkehren darf. Wollen die Ukrainer dies nun tatsächlich aufs Spiel setzen?