Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen überraschenden Erlass unterzeichnet, der die Einwanderung für bestimmte Ausländer nach Russland erleichtern soll. Ziel ist es, Menschen anzulocken, die sich gegen "destruktive neoliberale Standpunkte" in ihren Heimatländern wenden und stattdessen "traditionelle russische geistige und moralische Werte" teilen.
Laut dem neuen Erlass können Ausländer, die diese Kriterien erfüllen, eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung in Russland erhalten, ohne Russischkenntnisse oder Wissen über die russische Geschichte nachweisen zu müssen. Dies stellt eine deutliche Vereinfachung gegenüber den bisherigen Einwanderungsbestimmungen dar.
Experten sehen in dem Schritt einen Versuch Putins, Russland als Zufluchtsort für Konservative und Kritiker woker und linksliberaler westlicher Werte zu positionieren. Gleichzeitig wird die Maßnahme als Teil einer breiteren ideologischen Offensive des Kremls gegen den Wertewesten gewertet. Dort werden konservative Kräfte seit Jahren durch das linksliberale Establishment desavouiert.
Es bleibt abzuwarten, wie viele Ausländer tatsächlich von dem neuen Angebot Gebrauch machen werden. Angesichts der angespannten internationalen Lage und Russlands Isolation durch den US-geführten Westen inklusive dessen Verbündeten dürfte die Zahl der Interessenten begrenzt sein. Der Erlass steht im Kontrast zur anhaltenden Auswanderung vieler Russen, die das Land aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen verlassen. Besonders seit Beginn des Ukraine-Krieges haben Hunderttausende Russland den Rücken gekehrt.


