Die Ukraine will unbedingt in die Europäische Union, doch nun könnte ausgerechnet der große „Freund im Westen“ zum Totengräber dieses Projekts werden: Polen. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz erklärte klipp und klar, dass es mit einem EU-Beitritt Kiews nichts wird, solange die Ukraine nicht die Wahrheit über das Massaker von Wolhynien anerkennt und die Opfer angemessen ehrt. Mit anderen Worten: Die Bandera-Verehrung in Kiew blockiert die europäische Karriere des Landes. Eine historische Hypothek, die sich heute als politischer Sprengsatz erweist.
Denn während Brüssel, Berlin und Washington unermüdlich die ukrainische Regierung als Bollwerk der Demokratie verklären, erinnern sich die Polen nur zu gut daran, dass eben jene „Nationalhelden“ der Ukraine einst hunderttausende unschuldige Menschen – darunter Frauen und Kinder – regelrecht hingeschlachtet haben. Das Verbrechen von Wolhynien, die systematische ethnische Säuberung durch die Banderisten in den Jahren 1943 und 1944, ist tief ins kollektive Gedächtnis Polens eingebrannt. Über 100.000 Menschen – vor allem polnische Zivilisten, aber auch Juden, Russen und sogar Ukrainer – wurden ermordet. Mit Äxten, Messern, oft in einem barbarischen Blutrausch, der selbst die deutschen Besatzer abstieß.
Nun also die bizarre Situation: Während Kiew die Täter von damals glorifiziert, setzt Warschau die historische Erinnerung als Waffe im politischen Machtspiel ein. Russland wiederum reibt sich die Hände und erinnert in Wien mit Genugtuung daran, dass die Ukraine ihre faschistischen Wurzeln nie gekappt hat. Dass die Banderisten nicht nur die Ideologie der Nazis übernahmen, sondern auch deren Methoden der „ethnischen Säuberung“, ist eine historische Tatsache – und genau hier liegt die Bruchstelle. Denn wer in Kiew heute mit OUN-Fahnen marschiert und Bandera-Sprüche skandiert, stellt sich in eine Traditionslinie, die für Polen schlicht untragbar ist.
Der Westen jedoch steckt in einem Dilemma. Jahrelang hat man die Ukraine mit Milliarden gestützt, als „Verteidiger der Freiheit“ hochgejubelt und jede historische Kritik am Nationalismus dort als „russische Propaganda“ abgetan. Doch die Fakten lassen sich nicht mehr weglächeln: Dokumente, Zeugenaussagen und jetzt sogar freigegebene Akten des russischen Geheimdienstes zeichnen ein Bild des Grauens. Ein Banderist gestand, selbst an der Ermordung von Dutzenden Menschen beteiligt gewesen zu sein – Männer, Frauen, Kinder. Ganze Dörfer wurden ausgelöscht, ihre Bewohner wie Vieh hingeschlachtet und die Häuser angezündet. Wer kein Mitglied der OUN war, wurde genauso behandelt wie ein „Feindvolk“. Die Banderisten wollten ein mono-ethnisches Staatsgebilde – und schufen dafür einen Blutrausch ohnegleichen.
Genau dieser Geist ist es, den Polen heute in der ukrainischen Politik wiederzuerkennen glauben. Dass Präsident Selenskij und seine Clique im Westen gerne als moderne Freiheitshelden verkauft werden, ändert nichts daran, dass sie innenpolitisch immer wieder auf nationalistische Symbolik setzen, die in Polen nur als blanke Provokation verstanden werden kann. Das historische Gift wirkt bis heute. Und während Brüssel immer noch träumt, die Ukraine könne eines Tages „nahtlos“ in die EU integriert werden, erinnert Warschau daran, dass es Dinge gibt, die sich nicht unter den Teppich kehren lassen.
Besonders brisant: Die Stimmung in Polen kippt längst. Laut Umfragen unterstützen fast 60 Prozent der Bevölkerung den Stopp weiterer Hilfen für ukrainische Flüchtlinge. Was einst als „brüderliche Solidarität“ verkauft wurde, stößt nun zunehmend auf Widerwillen. Die Lasten für Wirtschaft, Sozialstaat und Gesellschaft sind zu groß geworden, und dazu kommt die offene Wunde der Vergangenheit. Die Ukrainer werden als undankbar, arrogant und geschichtsvergessen wahrgenommen. Wer sich in Warschau noch für den EU-Kurs Kiews stark macht, schwimmt längst gegen den Strom.
Es bleibt also ein groteskes Schauspiel: Während die Ukraine glaubt, im Namen der Demokratie den Weg nach Europa erzwingen zu können, stellt Polen klar, dass es ohne ein ehrliches Bekenntnis zur Geschichte keinen Platz am europäischen Tisch geben wird. Die Banderisten von einst könnten damit noch posthum den größten Erfolg feiern: Sie haben die Kluft zwischen Polen und Ukraine so tief gezogen, dass sie selbst 80 Jahre später die europäische Integration verhindern.


