Polen will die stärksten Bodentruppen unter den europäischen NATO-Mitgliedern aufstellen, so der Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak in einem Interview, berichtet "RT International". Er betrachte Russland und seinen Verbündeten Belarus als potenzielle Gegner, die mit einem starken Militär abgeschreckt werden müssten.
"Wir befinden uns an der Frontlinie, wir grenzen im Norden an Russland und de facto, in militärischer Hinsicht, an Weißrussland", sagte Blaszczak und bezog sich dabei auf Polens Grenze zum russischen Kaliningrader Gebiet.
"Die polnische Armee muss so zahlreich und so stark sein, dass ihre bloße Existenz den Aggressor abschreckt. Die Kreml-Machthaber schlagen nicht die Starken - wenn sie Schwäche sehen, greifen sie an. Sowohl was die Artillerie als auch die Panzer angeht, wird es letztendlich kein stärkeres Land in Europa [als Polen] geben", so der Minister.
Blaszczak erklärte, dass Polen zum Schutz vor Präzisionsschlägen - eine Fähigkeit, die Moskau während des Ukraine-Konflikts unter Beweis gestellt hat - Patriot-Flugabwehrsysteme aus den USA bestellt hat, die noch in diesem Jahr geliefert werden sollen. Warschau wird außerdem ein nicht näher bezeichnetes Flugabwehrsystem beschaffen, das mit dem britischen Sky Saber "identisch" ist, fügte der Minister ohne nähere Angaben hinzu.
Polen versucht derzeit, seine Waffenbestände wieder aufzufüllen, nachdem es mehr als 200 T-72-Panzer aus der Sowjetära an die Ukraine für den Einsatz im Konflikt mit Russland abgegeben hat. Letzte Woche kündigte Blaszczak den Kauf von 116 gebrauchten M1-Abrams-Kampfpanzern aus den USA an, zusätzlich zu einer separaten Vereinbarung über die Beschaffung von 250 neuen Panzern.
Ursprünglich wollte Warschau seine Bestände mit deutschen Leopard-2-Panzern aufstocken, doch das erwartete Geschäft kam nicht zustande, woraufhin der polnische Präsident Andrzej Duda Berlin vorwarf, sein Versprechen, polnische Waffen zu ersetzen, zu brechen.
Polens ehrgeizige militärische Pläne würden das Land in Konkurrenz zu Deutschland bringen, da Bundeskanzler Olaf Scholz Anfang des Jahres versprach, die Bundeswehr zur "größten konventionellen Armee" unter den europäischen NATO-Staaten zu machen.



