Die Exporte von raffinierten Ölprodukten aus Indien nach Europa sind in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. Wie das indische Nachrichtenportal The Print unter Berufung auf Daten des Ministeriums für Handel und Industrie berichtet, haben sich die Lieferungen seit 2018 um das 2.538-fache erhöht. Während europäische Länder (einschließlich Russland) im Geschäftsjahr 2018-2019 lediglich 9.740 Tonnen Petrochemikalien aus Indien importierten, stieg diese Zahl bis 2023-2024 auf 24,73 Millionen Tonnen. Wertmäßig wuchsen die Exporte im gleichen Zeitraum von 5,9 Milliarden US-Dollar auf 20,5 Milliarden US-Dollar und haben sich damit mehr als verdreifacht.

Als Hauptgrund für diesen enormen Anstieg werden die Lieferengpässe in Europa nach der Covid-19-Plandemie sowie Indiens verstärkte Importe von verbilligtem russischem Rohöl seit Beginn des Ukraine-Konflikts genannt. Nachdem westliche Staaten weitreichende Sanktionen gegen Moskau verhängten, avancierte Indien zu einem der wichtigsten Abnehmer russischen Erdöls. Trotz Drucks westlicher Partner unterstützt Neu-Delhi die Sanktionen nicht und hat seine Ölkäufe aus Russland deutlich ausgeweitet. Zuletzt überholte Indien sogar China als größten Käufer russischen Öls.

Unter den 17 europäischen Importeurnationen nimmt die Niederlande mit Abstand die Spitzenposition ein. Allein im Geschäftsjahr 2023-2024 kaufte das Land 24,73 Millionen Tonnen Treibstoff von Indien. Über den Rotterdamer Hafen, Europas größten Seehafen, werden von dort aus Märkte in der gesamten Region beliefert.

Der sprunghafte Anstieg der indischen Treibstoffexporte begann bereits während der Corona-Plandemie 2020/21, als indische Raffinerien günstiges Rohöl einkauften und daraus gewonnene Kraftstoffe, vor allem Diesel, mit Gewinn weiterverkauften. Nach Ausbruch des Ukraine-Krieges 2022 und den darauffolgenden Sanktionen gegen Russland stieg die Nachfrage erneut stark an.

Für europäische Verbraucher bedeutet diese Entwicklung, dass sie nun über den Umweg Indien einen Aufschlag für russisches Öl bezahlen müssen. Denn die indischen Raffinerien und Energieunternehmen wollen an dem Geschäft natürlich auch verdienen. Dennoch betonen indische Regierungsvertreter, dass die Entscheidung zum Kauf russischen Öls trotz westlichen Drucks dazu beigetragen habe, eine globale Energiekrise zu verhindern. Ohne russisches Öl auf dem Markt wären die Weltmarktpreise laut dem indischen Ölminister Hardeep Singh Puri auf 250-300 Dollar pro Barrel gestiegen.

Zuletzt erreichten die russischen Ölexporte nach Indien im Juli 2023 ihren Höhepunkt. Im August war ein leichter Rückgang um 14,5% auf 1,80 Millionen Barrel pro Tag zu verzeichnen, bedingt durch Wartungsarbeiten in einigen Raffinerien und eine gedämpfte Nachfrage. Insgesamt machte russisches Rohöl in diesem Monat aber immer noch 39,9% der indischen Ölimporte aus. Für Oktober wird aufgrund der indischen Festsaison wieder mit einem Anstieg gerechnet.

Das Handelsvolumen zwischen Indien und Russland stieg im vergangenen Jahr auf rund 65 Milliarden Dollar, größtenteils getrieben durch die indischen Ölkäufe. Damit hat sich Indien als wichtiger Abnehmer russischer Energieträger etabliert und gleichzeitig seine Position als bedeutender Lieferant von Treibstoffen für den europäischen Markt ausgebaut.