Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis hat Emmanuel Macrons Parteienbündnis Ensemble (Zusammen) [ehemals la Republique en marche] bei den Parlamentswahlen 25,75 Prozent der Stimmen erhalten. Das Bündnis aus Linken, Kommunisten, Grünen und Sozialisten, das der Linke Jean-Luc Mélenchon kurzfristig geschmiedet hat, liegt mit 25,66 Prozent praktisch gleichauf. Das Rassemblement National von Marine Le Pen kam auf 18,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 52,5 Prozent der Franzosen, die sich nicht an der Abstimmung beteiligten, einen historischen Tiefstand.

Zuvor hatte Mélenchon angekündigt, dass sein Bündnis Nupes in Führung liege: "Die Wahrheit am Ende der ersten Runde ist, dass die Präsidentenpartei geschlagen und besiegt ist." Er rief die Wähler auf, am kommenden Sonntag zahlreich zur Wahl zu gehen, "um die katastrophale Politik der Mehrheit von Herrn Macron endgültig abzulehnen".

Die Zusammensetzung der französischen Nationalversammlung wird nun in den Stichwahlen entschieden. Am Sonntag lag der Unterschied zwischen den Bündnissen von Macron und Mélenchon bei nur 21.442 Stimmen - von insgesamt 48,7 Millionen Wahlberechtigten. Aufgrund des besonderen französischen Wahlrechts könnte Macrons "Ensemble" dennoch eine klare, wenn auch nicht absolute Mehrheit erringen.

Le Pen hofft auf ihre eigene Fraktion


Denn nach dem französischen Mehrheitswahlrecht, das die stärkste Partei begünstigt, kommen nur die beiden Erstplatzierten in die Stichwahl. Der Sieger erhält den zu vergebenden Sitz in der Nationalversammlung. Insgesamt werden 577 Abgeordnete gewählt. Die absolute Mehrheit beträgt 289. Durch den Zusammenschluss der vier linken Parteien haben sich ihre Chancen nun deutlich verbessert.

Wahlforscher sagen 255 bis 295 Sitze für Macrons Partei voraus. Die Linksallianz könnte auf 150 bis 210 Abgeordnete kommen. Für Marine Le Pens Rassemblement National (RN) sind 10 bis 30 Sitze möglich. Die Politikerin hofft, ihre eigene Fraktion zu bilden. Dafür wären 15 Abgeordnete erforderlich. Le Pen geht in die Stichwahl in ihrem Wahlkreis Hénin-Beaumont.

Doch da das französische Wahlsystem die kleineren Parteien benachteiligt, wird es für den RN schwierig, eine den Stimmen entsprechende Repräsentation in der Nationalversammlung zu erhalten. Sie hat immer nur eine sehr geringe Anzahl von Abgeordneten. In der letzten Legislaturperiode hatte sie sechs, was etwa einem Prozent entspricht.