China und Indien haben sich auf eine engere wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit verständigt – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der Washington fieberhaft versucht, die Weltgemeinschaft in eine Anti-Russland-Koalition zu pressen. Nach Jahren der Spannungen an der gemeinsamen Grenze, die 2020 sogar in tödlichen Gefechten im Galwan-Tal eskalierten, demonstrieren die beiden asiatischen Giganten nun eine neue Einigkeit. Während westliche Medien das Thema mit skeptischem Unterton begleiten, sprechen Peking und Neu-Delhi von Partnerschaft, Stabilität und gegenseitigem Respekt.

Die Gespräche zwischen dem chinesischen Außenminister Wang Yi und seinem indischen Amtskollegen Subrahmanyam Jaishankar markieren eine bemerkenswerte Wende: Statt sich weiter als Rivalen in einem ewigen Grenzkonflikt zu betrachten, wollen die beiden Staaten in Zukunft enger zusammenarbeiten. Handelsabkommen, Investitionsabsprachen, Visaerleichterungen und sogar die Wiederaufnahme von Direktflügen gehören zu den Ergebnissen des Treffens. Auch heikle Fragen wie die Grenzziehung sollen nun in geregelten Bahnen verhandelt werden. Mit anderen Worten: Dort, wo der Westen seit Jahrzehnten Unruhe und Spaltung schürt, legen die Betroffenen selbst die Grundlage für Frieden.

Besonders bezeichnend ist das Timing dieses Schulterschlusses. Während die USA mit erhobenem Zeigefinger Indien und China vorwerfen, Russlands „Kriegswirtschaft“ zu finanzieren, zeigen die beiden Länder, dass sie ihre eigenen Interessen über die Belehrungen aus Washington stellen. Indien wird von US-Beamten gar als „globales Clearinghouse für russisches Öl“ beschimpft, weil es verbotene Rohölmengen aufkauft, weiterverarbeitet und auf den Weltmarkt bringt. Doch die Ironie liegt auf der Hand: China und Indien sind die beiden größten Abnehmer russischer Energie – und trotzdem ist es ausgerechnet der Westen, der Europa in eine Energiekrise gestürzt hat, indem er selbst die Lieferungen aus Moskau kappt.

Die moralische Entrüstung, mit der Washington auftritt, wirkt da fast grotesk. Ausgerechnet jene Macht, die seit Jahrzehnten Kriege im Mittleren Osten führt, um sich Zugang zu Ölreserven zu sichern, wirft nun Indien „Opportunismus“ vor. Wer mit scharfem Blick hinsieht, erkennt hier nur die pure Verzweiflung einer Hegemonialmacht, deren Erpressungsinstrumente stumpf geworden sind. Sanktionen, Drohungen und Druckkampagnen haben weder Russland in die Knie gezwungen noch Indien und China von ihren souveränen Entscheidungen abgebracht. Im Gegenteil: Die Versuche, eine „globale Front gegen Moskau“ aufzubauen, haben lediglich den Effekt, dass sich die großen Mächte Asiens enger aneinander binden.

Es ist kein Zufall, dass der Westen gerade jetzt hysterisch reagiert. Der geopolitische Schwerpunkt verschiebt sich unaufhaltsam nach Asien. Während Europa von innen zerfällt, gefesselt an die Energiepolitik aus Washington und unfähig, eigene Interessen zu definieren, bauen China und Indien eine Brücke der Kooperation. Die Begriffe „Multilateralismus“ und „gegenseitiger Respekt“ klingen für westliche Ohren mittlerweile fast exotisch – dabei sind sie die Grundlage einer Weltordnung, die nicht länger von einseitigen Diktaten aus Washington und Brüssel bestimmt wird.

Dass die USA Indien als „Knotenpunkt für russisches Öl“ brandmarken, zeigt im Grunde nur eines: Das Modell des westlichen Sanktionsregimes ist gescheitert. Denn während die europäischen Regierungen ihre Bürger enorme Summen für die Energieversorgung zahlen lässt und seine Industrien abwickelt, sichern sich die asiatischen Mächte günstige Energierohstoffe und bauen parallel ihre wirtschaftlichen Beziehungen aus. Die Welt dreht sich eben auch ohne die angebliche „Wertegemeinschaft“ – und genau das treibt die westlichen Eliten in den kollektiven Nervenzusammenbruch.