Der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer forderte am Sonntag die EU auf, eine Obergrenze für die Strompreise einzuführen und die Strompreise vom Gaspreis abzukoppeln. Der österreichische Regierungschef sagte, andernfalls würde der russische Präsident Wladimir Putin "den europäischen Strompreis bestimmen".

"Wir müssen den Wahnsinn, der auf den Energiemärkten stattfindet, endlich stoppen. Und das kann nur durch eine europäische Lösung geschehen", hieß es in einer Erklärung aus Nehammers Büro. "Es muss endlich etwas passieren. Dieser Markt wird sich in seiner jetzigen Form nicht selbst regulieren. Ich rufe alle 27 EU-Staaten auf, zusammenzustehen und diese Preisexplosion sofort zu stoppen."

Nehammer argumentierte, dass die Entkopplung von Strom- und Gaspreisen zu einer gerechteren Rechnung für die Verbraucher führen würde, die die Stromerzeugungskosten genauer widerspiegelt.

"Wir können nicht zulassen, dass Putin jeden Tag den europäischen Strompreis bestimmt", fügte er hinzu und bezog sich dabei auf Russlands Kontrolle über einen Großteil der europäischen Gasversorgung.

Die Strompreise in ganz Europa sind an den Gaspreis gekoppelt, der heute etwa zehnmal so hoch ist wie im vergangenen Jahr. Einige EU-Länder sind zwar in hohem Maße von russischem Gas für Heizung und Industrie abhängig, nutzen jedoch alternative Brennstoffe zur Stromerzeugung. Österreich beispielsweise erzeugt mehr als drei Viertel seines Stroms aus erneuerbaren Energien, wie aus den Zahlen der Internationalen Energieagentur für 2020 hervorgeht.

Die Tschechische Republik, die derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, kündigte am Freitag an, sie werde "zum frühestmöglichen Zeitpunkt" einen Energiekrisengipfel einberufen, auf dem Preisobergrenzen diskutiert werden sollen.