"Der West-Balkan ist eine Region, in dem Russland schon lange mit politischen Provokationen aktiv ist", heißt es in einer vertraulichen NATO-Analyse, berichtet der "Business Insider". Moskau versuche, den Einfluss der EU zu kontern und westliche Akteure zu unterminieren. Das Bedrohungslevel sei insgesamt niedrig, die Lage auf dem West-Balkan zwar derzeit noch ruhig, aber "zerbrechlich", heißt es im Dokument.

Die Pläne Moskaus werden in dem Papier so skizziert: "Russlands zunehmende Einmischung droht zu weiteren Spaltungen inmitten bereits gespannter ethnischer und politischer Beziehung in der Region zu führen." Besonders im Bereich Desinformation habe Russland Bewegungsfreiheit. Dabei spiele Moskau die komplizierte Situation auf dem Balkan in die Hände.

In dem NATO-Papier heißt es, man erwarte zudem, dass Russland versuchen werde, den Erfolg der NATO in der Region zu unterminieren. Im Klartext: Es droht ein Kalter Krieg in der Region zwischen dem Westen und Russland, der besonders mit Mitteln der Propaganda geführt werden könnte. Daher sollten man der Desinformation Putins, wie etwa die Behauptung, der Krieg in der Ukraine sei bloß eine Reaktion auf das Handeln der NATO, entgegentreten, heißt es im Papier.

Auch China hat großes Interesse an der Region - und die NATO glaubt offenbar, dass Peking ein doppeltes Spiel spielt. In dem Dokument heißt es, einerseits geht man davon aus, dass China Russland propagandistisch unterstützen werde, gleichzeitig wolle man sich in der Region aber als "Alternative zu Russland" im Bereich Sicherheitspolitik anbieten.

Russland setzt auf Hungersnot in anderen Ländern


Russland wolle Hungersnöte als politische Waffe einsetzen, um betroffene Länder politisch zu schwächen und so westlichen Sanktionen zu umgehen, heißt es ebenfalls in einem NATO-Papier, worüber "Business Insider" vor wenigen Tagen berichtete. Konkret gehen die NATO-Autoren davon aus, dass Russland gezielt die Lebensmittelknappheit erhöhe, damit der politische Druck in besonders Import-abhängigen Ländern zunehme. Hinzu kämen steigende Lebensmittelpreise und fehlende Nahrung für die Flüchtlinge in der Bevölkerung, die den Druck noch weiter anheizen. Unter diesem Druck, glaubt die NATO, könnten dann die nationalen Interessen für einige Länder kurzfristig wichtiger werden, anstatt weiterhin westliche Sanktionen zu unterstützen.

Das heißt: Länder, die besonders von Russlands Lebensmitteln abhängig sind, könnten anfälliger für russischen Einfluss werden. Ziel von Putin sind dabei laut Weltkarte der NATO der Sudan, Ägypten, Äthiopien, Syrien, Afghanistan und Aserbaidschan. In vielen Ländern ist der Anteil der Flüchtlingsbevölkerung hoch, außerdem haben sie das höchste Risiko unter der Lebensmittelknappheit Russlands zu leiden.

In die Veröffentlichung des Berichtes platzte allerdings die Nachricht, dass die russische Führung mit Kiew und Ankara ein Schema zur Freigabe von Getreidelieferungen aus dem bisher blockierten Schwarzmeerhafen Odessa abgestimmt habe." In den Hoheitsgewässern des Nachbarlands sollen türkische Militärs die Minenräumung übernehmen und die Schiffe bis in neutrale Gewässer begleiten. Später sollen dann russische Kriegsschiffe die Getreidefrachter bis zum Bosporus eskortieren.

Das passt dann nicht so ganz zu den Verschwörungstheorien der NATO.