Russland spielt seine Karten erneut mit gewohnter Raffinesse aus. Der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Novak, Russlands Energie-Mastermind, hat jetzt einen bemerkenswerten Schachzug präsentiert: Moskau sei durchaus bereit, weiterhin Gas durch ukrainische Pipelines nach Europa zu pumpen - allerdings unter einer pikanten Bedingung.
Die europäischen Abnehmer sollen sich gefälligst selbst mit Kiew an einen Tisch setzen und einen Deal aushandeln. Eine durchaus geschickte Strategie, die die EU in eine verzwickte Lage bringt. Denn die Ukraine hat bereits unmissverständlich signalisiert, dass sie den bestehenden Transitvertrag nach seinem Auslaufen am 31. Dezember 2024 nicht verlängern will.
Die Situation ist brisant: Noch fließen etwa 5 Prozent der EU-Gasimporte durch ukrainische Röhren. Besonders Österreich, Ungarn und die Slowakei könnten beim Wegfall dieser Lieferungen ins Schwitzen geraten. Doch die EU-Energiekommissarin Kadri Simson winkt bereits ab - Brüssel habe "kein Interesse" an einer Wiederbelebung des Abkommens.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Europas Abhängigkeit von russischem Gas ist bereits dramatisch geschrumpft. Von einst stolzen 450 Millionen Kubikmetern täglich Ende 2021 sind heute nur noch magere 150 Millionen übrig. Ein Großteil davon erreicht Europa als Flüssiggas (LNG) oder über alternative Routen wie die Türkei.
Interessanterweise hat Europa die letzten beiden Winter trotz der massiven Reduzierung russischer Gasimporte erstaunlich gut überstanden. Die eilig aufgebauten alternativen Versorgungswege scheinen zu funktionieren. Dennoch bleibt die Frage: Wer wird am Ende nachgeben müssen - Europa, das seine Energiesicherheit gewährleisten muss, oder die Ukraine, die auf Transitgebühren verzichten würde?
Novaks Vorstoß erinnert an ein kompliziertes Schachspiel, bei dem alle Beteiligten ihre strategischen Interessen wahren wollen. Die EU steht nun vor der Herausforderung, ihre politischen Prinzipien mit praktischen Energiebedürfnissen in Einklang zu bringen - keine leichte Aufgabe in Zeiten geopolitischer Spannungen.



