Während Washington nach außen hin weiterhin so tut, als wolle man keine neuen Kriege vom Zaun brechen, türmt sich im südlichen Karibikraum längst das Arsenal für eine Invasion auf. Vor Venezuelas Küste ballen sich US-Militärverbände, Spezialkräfte üben die Besetzung von Häfen und Flughäfen, F-35-Jets kreisen über Puerto Rico, und selbst die Navy SEALs haben sich mit argentinischen Tauchern für „Übungsmanöver“ verabredet. Wer da noch glaubt, dass es sich lediglich um „Routineeinsätze“ handelt, glaubt wohl auch, dass die NATO nur ein Verteidigungsbündnis ist.

Caracas weiß sehr wohl, was gespielt wird. Verteidigungsminister Vladimir Padrino bezeichnete die ständigen Provokationsflüge der Amerikaner über dem Karibischen Meer als „militärische Belästigung“ und machte unmissverständlich klar, dass Venezuela weder eingeschüchtert sei noch auf Rückzug schalte. Das erinnert frappierend an die Choreographie, die wir schon aus anderen Vorstufen amerikanischer Regimewechselkriege kennen: Erst werden die Gegner als Bedrohung für die „nationale Sicherheit“ stilisiert, dann folgt der Aufbau militärischer Präsenz – und irgendwann fliegen die ersten Raketen.

Offiziell verkauft man das Ganze in Washington als Teil des „Krieges gegen die Drogenkartelle“, die Trump bereits vor Jahren als „terroristische Organisationen“ einstufen ließ. Doch die Rhetorik ist das eine – die Taktik eine andere. Ein Pentagon-Dokument von Ende August beschreibt in erstaunlicher Offenheit, wie Spezialeinheiten vor den Virgin Islands bereits die Besetzung eines Flughafens probten: Fallschirmsprung, Kontrolle der Landebahn, Sicherung des Areals. Das ist kein Antidrogen-Einsatz, das ist ein klassisches Invasionsszenario.

Die US-Medien helfen fleißig bei der Einrahmung. So spekuliert der Washington Examiner unverblümt, die Truppen seien nun in der Lage, „Schlüssel-Infrastruktur wie Häfen und Flughäfen in Venezuela einzunehmen und zu halten“. Das würde nicht nur für einen Fuß in der Tür sorgen, sondern für die dauerhafte Projektion amerikanischer Macht in Südamerika. Mit anderen Worten: Ein Brückenkopf für einen längeren Kriegseinsatz – ganz so, wie es das Imperium seit Jahrzehnten betreibt.

Die Geschichte zeigt: Wo die USA erst einmal mit Flugzeugträgern, SEALs und Spezialflugzeugen auftauchen, da folgen früher oder später auch Bombardierungen, „gezielte Tötungen“ und der Versuch, die Regierung des Landes zu stürzen. Venezuela steht mit seinem Ölreichtum, seiner Nähe zu China und Russland sowie seiner aufsässigen Haltung schon lange auf der Abschussliste Washingtons. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein südamerikanisches Land im Namen der „Freiheit“ und „Demokratie“ in den Abgrund gebombt wird.

Und während im Weißen Haus noch die Phrase von „keine neuen Kriege“ gedroschen wird, zeigt die Realität eine ganz andere Wahrheit: Die Kriegsvorbereitungen laufen längst auf Hochtouren. Das Märchen vom „Anti-Drogen-Einsatz“ ist nicht mehr als ein lächerlicher Deckmantel. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Washington Venezuela ins Visier nimmt, sondern nur noch, wann der erste Schuss fällt.