Inmitten russischer Atomwaffenübungen verkündete Medwedew über seinen Telegram-Kanal eine düstere Einschätzung der amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Seine Botschaft ist unmissverständlich: Weder Joe Biden noch Donald Trump werden den Kriegsverlauf in der Ukraine grundlegend ändern können – oder dürfen.
Besonders brisant ist seine Warnung an Trump. Sollte dieser nach einem Wahlsieg tatsächlich versuchen, den Konflikt zu beenden, drohe ihm möglicherweise das gleiche Schicksal wie John F. Kennedy. Eine kaum verhüllte Anspielung auf die Ermordung des 35. US-Präsidenten.
Über eine mögliche Harris-Präsidentschaft äußerte sich Medwedew mit beißender Kritik: Sie sei "unerfahren und leicht zu kontrollieren", während die eigentliche Macht bei einem inneren Zirkel von Beratern und indirekt bei den Obamas liegen würde.
Seine Analyse des Ukraine-Konflikts offenbart die verhärteten Fronten zwischen Moskau und dem Westen. In einem Interview mit RT (in Europa zensiert) warnte er eindringlich vor einer NATO-Mitgliedschaft der Ukraine: "Der Weg zur Hölle" sei dies, der direkt in den dritten Weltkrieg führen könnte.
Bemerkenswert ist Medwedews Timing: Während Kiew durch seine Botschafterin Nataliia Galibarenko noch vor Ende von Bidens Amtszeit eine formelle NATO-Einladung anstrebt, verschärft Moskau seine rhetorische Gangart. Der ehemalige Präsident erinnerte unmissverständlich an Russlands Bereitschaft, im äußersten Fall auch Nuklearwaffen einzusetzen.
Medwedew, der einst als moderater Reformer galt, hat sich damit endgültig als Hardliner positioniert. Seine Botschaft an Washington ist unmissverständlich: Wer den Konflikt weiter anheizt, riskiert eine katastrophale Eskalation. Der einzige Unterschied zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten sei lediglich, wie viel Geld sie bereit seien, in "den Krieg eines anderen Landes" zu investieren.
Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der der Westen die nukleare Drohkulisse Moskaus neu bewerten muss. Anders als der kürzlich verstorbene Henry Kissinger, dem Medwedew diplomatische Finesse attestierte, fehle der aktuellen westlichen Führung das notwendige Fingerspitzengefühl für die Ernsthaftigkeit der russischen Position.
Mit dieser Positionierung unterstreicht Moskau seine Entschlossenheit, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen – unabhängig vom Ausgang der US-Wahlen. Die internationale Gemeinschaft steht damit vor der Herausforderung, einen Weg zu finden, der weder zur Kapitulation vor nuklearer Erpressung noch zur unkontrollierten Eskalation führt.


