Deutschland sollte wieder Gas aus Russland kaufen, sobald der Konflikt in der Ukraine beendet ist, sagte der Ministerpräsident von Ostsachsen, Michael Kretschmer. Sein Land werde weiterhin "Pipeline-Gas" aus Russland benötigen, so der Politiker.

"Wenn der Krieg vorbei ist, sollten wir wieder Gas aus Russland beziehen", sagte Kretschmer der "Bild am Sonntag" auf die Frage, was er den Menschen sagen würde, die die Inbetriebnahme der russischen Gaspipeline Nord Stream 2 fordern.

Kretschmer ist der Ansicht, dass Deutschland die russische Gaspipeline-Infrastruktur vollständig wiederherstellen muss, wenn es eine ausreichende Energieversorgung sicherstellen will. Er wurde gefragt, ob er glaube, dass die beiden Nord-Stream-Pipelines, die Ende September bei einem mutmaßlichen Sabotageakt beschädigt wurden, wieder instand gesetzt würden.

"Wir brauchen Pipeline-Gas und das geht nur mit funktionierenden Leitungen", sagte er gegenüber der "BamS".

Russland dürfe in Zukunft nicht der einzige Energielieferant für Deutschland sein, sagte der Ministerpräsident. Berlin solle sich auch langfristige Gasverträge mit den USA, Katar und anderen arabischen Ländern sichern sowie "unsere eigenen Gasfelder in der Nordsee erschließen."

Seine Worte fielen inmitten einer akuten Energiekrise in Deutschland, da die EU bestrebt ist, sich von russischen Energielieferungen abzukoppeln. Die Brüsseler Sanktionspolitik gegen Moskau habe Deutschland bisher mehr geschadet als genutzt, meint Kretschmer.

Es baue sich ein wirtschaftlicher "Tsunami auf", warnte der Landeschef. Die sächsischen Unternehmer stünden vor einem "dramatischen" Überlebenskampf und viele von ihnen stünden "in wenigen Wochen, nicht Monaten, vor dem Aus". Kretschmer sagte auch, dass die Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung noch nicht richtig umgesetzt worden seien, während die Energiespartipps aus Berlin die Menschen nur "verärgern" würden.

Der Ministerpräsident forderte zudem eine rasche diplomatische Lösung des Konflikts: Die EU solle sich mit den USA, China, Indien und Japan zusammenschließen, um den Krieg zu beenden. Zugleich sagte er, es gebe "keinen einzigen Grund, warum die Ukraine auch nur einen Quadratmeter ihres Territoriums aufgeben sollte". Russland müsse auch für alle Schäden aufkommen, die der Ukraine durch den Konflikt zugefügt worden seien, fügte er hinzu.

Nord Stream 2 war eine der beiden Pipelines, die Erdgas aus Russland über eine Route entlang der Ostsee nach Deutschland liefern sollten. Das Projekt wurde Ende Februar auf Eis gelegt, als Deutschland das Zertifizierungsverfahren stoppte, nachdem Russland die beiden Donbass-Republiken als unabhängig anerkannt hatte.