Wenn es nach den Strategen im Pentagon geht, sollen künftige Propagandaschlachten nicht mehr von schlecht bezahlten PR-Beratern und gelangweilten Internettrollen geführt werden, sondern von hochgezüchteten Künstlichen Intelligenzen. Während der brave Steuerzahler in den USA glaubt, sein Geld fließe in Verteidigung und Sicherheit, träumt das US-Militär längst davon, ganze Gesellschaften per Mausklick umzuformen und jeden Anflug von Widerspruch im Keim zu ersticken. „Agentische KI“ lautet das neue Zauberwort – Systeme, die eigenständig Narrative ersinnen, Nachrichten massenhaft streuen und gleichzeitig abweichende Meinungen niederbügeln sollen. Demokratie made in USA, exportiert in Bits und Bytes.
Die jetzt bekannt gewordenen Dokumente, die The Intercept veröffentlichte, sprechen eine deutliche Sprache: Die Special Operations Command (SOCOM) will Programme, die soziale Medien nicht nur durchkämmen, sondern gleich ganze Profile und Netzwerke einzelner Kritiker analysieren, um sie gezielt mundtot zu machen. Während Washington der Welt unentwegt Predigten über „Pressefreiheit“ und „freie Rede“ hält, basteln die eigenen Militärabteilungen am digitalen Orwellschen Werkzeugkasten, der jeden unbotmäßigen Gedanken filtern und neutralisieren kann. Das Ganze natürlich unter dem Deckmäntelchen der „Verteidigung“ und der angeblich „verantwortungsvollen“ Nutzung von KI.
Besonders zynisch mutet die offizielle Verteidigung des Projekts an: Alles werde selbstverständlich im Rahmen des „Responsible AI Frameworks“ der US-Armee ablaufen, also mit Transparenz und menschlicher Aufsicht. Wer solche Floskeln hört, weiß sofort: Hier wird vertuscht, beschönigt und gelogen. Denn wenn Maschinen in Echtzeit über Millionen Nutzerprofile herfallen, Meinungen sezieren und angepasste Botschaften ausspucken, dann geht es nicht um Transparenz, sondern um die totale Kontrolle der öffentlichen Wahrnehmung. Ein Albtraum für jede freie Gesellschaft, ein Traum für jeden Machttechnokraten.
Natürlich verweist das Pentagon darauf, dass auch China und Russland längst ähnliche Methoden einsetzen. Das dient wie immer als Totschlagargument: Weil „die anderen“ es angeblich tun, müssen „wir“ es auch. Der Kalte Krieg 2.0 wird längst nicht mehr mit Raketen und Flugzeugträgern ausgetragen, sondern mit Algorithmen und psychologischen Manipulationssystemen. Dass dabei jegliche moralische Grenze längst überschritten wird, interessiert die Kriegsplaner wenig. Hauptsache, das eigene Narrativ dominiert. Ob die Realität damit noch irgendetwas zu tun hat, spielt keine Rolle.
Doch die Erfolgsgeschichte dieser Manipulationsversuche ist dürftig. Schon 2022 flog eine ganze Armada von Pentagon-geführten Fake-Accounts auf, die im großen Stil anti-russische und anti-iranische Propaganda verbreiten sollten – und jämmerlich scheiterte. Anstatt öffentliche Meinung zu formen, wurden sie zur Lachnummer. Selbst Experten des NATO-nahen Atlantic Council räumen ein, dass KI-Propaganda oft mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Sie wirkt plump, durchschaubar und am Ende kontraproduktiv. Doch das hindert die Strategen in Washington nicht, weiter Milliarden in die digitale Propagandamaschinerie zu pumpen.
Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis: Die viel beschworene „freie Welt“, die angeblich den Westen von autoritären Systemen unterscheidet, existiert nur noch als rhetorische Floskel. Während die Bürger glauben, sie lebten in offenen Demokratien, arbeiten Militär und Geheimdienste längst daran, jede Regung kritischen Denkens im Netz algorithmisch zu überwachen, zu diskreditieren und zu ersticken. Mit der neuen KI-Propagandamaschinerie tritt die Welt endgültig in eine Ära ein, in der die Schlacht um die Köpfe nicht mehr von Journalisten oder Intellektuellen geführt wird, sondern von lernenden Maschinen im Auftrag der Macht. Und das Schlimmste daran: Man verkauft uns diesen Angriff auf die Freiheit auch noch als Schutzmaßnahme. Willkommen im digitalen Totalitarismus – er trägt Tarnuniform und kommt mit dem Gütesiegel „Responsible AI“.


