In einer Zeit, in der Europa verzweifelt um jeden Tropfen Flüssiggas (LNG) ringt, den es importieren kann, ist Peking im Begriff, leise zuzuschlagen und alles wegzunehmen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass staatliche chinesische Energieunternehmen über Investitionen in die Erweiterung des Nordfelds von Katar verhandeln und bereit sind, langfristige Lieferverträge abzuschließen, wodurch Europa vor einer noch größeren Energie-Hyperinflation stehen könnte. Das Nordfeld ist der katarische Teil des weltweit größten Offshore-Gasvorkommens, das sich Katar mit dem Iran teilt. Der iranische Teil wird South Pars genannt.

Die Versorgung mit verflüssigtem Erdgas (LNG) hat in letzter Zeit für die großen Energieverbraucher oberste Priorität, da das Angebot knapp ist und die Europäische Union versucht, sich von russischem Pipeline-Gas abzuwenden. Die Versorgungslage ist so angespannt, dass die US-Produzenten, um LNG-Mengen nach Europa liefern zu können, Ladungen umleiten mussten, die ursprünglich für asiatische Abnehmer bestimmt waren.

Wie OilPrice berichtet, war Katar bis vor kurzem der größte LNG-Exporteur der Welt, wurde aber in den letzten Jahren vorübergehend von Australien verdrängt und dürfte dieses Jahr von den USA überholt werden, da zusätzliche Verflüssigungskapazitäten in Betrieb genommen werden, so die Analysten. Wenn die chinesischen Staatsunternehmen ihre Verhandlungen mit Katar erfolgreich abschließen, wäre dies die erste Gaspartnerschaft zwischen China und Katar, so die Nachrichtenagentur Reuters in ihrem Bericht und fügte hinzu, dass die größten ausländischen Investoren in katarisches Gas bisher internationale Energiekonzerne waren.

Für Katar wäre das Geschäft Teil einer geplanten Ausweitung seiner Gaspräsenz in Asien, während es für China inmitten angespannter bilateraler Beziehungen eine dringend benötigte Diversifizierung weg von seinem derzeitigen Hauptlieferanten Australien bedeuten würde. Außerdem hätte Peking - und damit Moskau - ein Vorkaufsrecht auf alle für Europa bestimmten Ladungen.

Die Erweiterung des North Field East kostet 30 Milliarden Dollar, und Anfang dieses Monats berichtete Reuters unter Berufung auf ungenannte Quellen, dass die Kataris vier Partner für das Projekt ausgewählt hätten, darunter Shell, TotalEnergies, Exxon und ConocoPhillips.

Nach seiner Fertigstellung im Jahr 2027 wird die Erweiterung die LNG-Exportkapazität Katars um bis zu 64 Prozent erhöhen und die Position des Landes auf dem internationalen Gasmarkt stärken. Alle vier Unternehmen sind derzeit auch an der LNG-Produktion in Katar beteiligt.