Die Entscheidung, Ursula von der Leyen mit dem Internationalen Karlspreis 2025 auszuzeichnen, markiert eine bittere Ironie in der Geschichte dieses traditionsreichen Preises. Ausgerechnet die Präsidentin der Europäischen Kommission, die die EU in eine militärisch ausgerichtete Zukunft steuert, wird nun für ihre Verdienste um die „europäische Einigung“ geehrt. Doch welche Einigung ist hier gemeint? Die unter dem Banner einer „Kriegswirtschaft“?

Von der Leyen hat in ihrer Amtszeit keine Gelegenheit ausgelassen, Europa als geopolitischen Akteur zu inszenieren, der sich auf militärische Stärke stützt. Sie forcierte die Aufrüstung der Mitgliedsstaaten, warb für ein europäisches Verteidigungsbündnis abseits der NATO und sprach sich wiederholt für massive Rüstungsinvestitionen aus – zuletzt im Kontext eines „European Defence Industrial Strategy“ (EDIS). Die EU, so ihre Vision, müsse „kriegstüchtig“ werden.

Militarisierung statt Versöhnung

Historisch wurde der Karlspreis Persönlichkeiten verliehen, die das Projekt Europa als Friedensmacht vorantrieben – Charles de Gaulle, Václav Havel, Helmut Kohl oder Simone Veil. Von der Leyens Kurs hingegen steht für das Gegenteil: einen Bruch mit dem zivilen Selbstverständnis der EU.

Statt diplomatische Initiativen im Ukraine-Krieg zu ergreifen, setzte Brüssel unter ihrer Leitung auf Waffenlieferungen und militärische Unterstützung. Im Windschatten dieses Konflikts etablierte sich ein neues europäisches Narrativ: Sicherheit durch Aufrüstung. Mit dem Aufbau eines Rüstungsfonds und der Entbürokratisierung von Waffenexporten verabschiedet sich die EU schrittweise von ihrer traditionellen Rolle als Vermittlerin.

Symbolischer Preis für eine strategische Wende

Die Verleihung des Karlspreises an eine der treibenden Kräfte dieser sicherheitspolitischen Kehrtwende steht sinnbildlich für eine EU im Wandel. Statt Brücken zu bauen, errichtet sie nun Verteidigungshaushalte. Statt Integration durch Dialog, dominieren geopolitische Rivalität und Sicherheitsdenken.

Es bleibt der Eindruck: Der Karlspreis hat seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Statt Friedensarchitekten ehrt er heute Strategen der Konfrontation. Der Preis wurde entkernt – politisch angepasst an eine Zeit, in der Europa sich selbst bewaffnet und damit seine zivilisatorische Kernidee aufgibt.