Die Krise der Elektrizitätswirtschaft in der EU begann im Jahr 2021 und wurde von den europäischen Politikern selbst verursacht, so die ehemalige österreichische Außenministerin Karin Kneissl. "Wir hatten schon vor der Gaskrise eine Krise in der Elektrizitätswirtschaft", sagte sie am Samstag in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur TASS.
"Das ist das Ergebnis der Liberalisierung der letzten 15-18 Jahre, und wir machen das seit April 2021 durch, also seit mehr als einem Jahr", fügte Kneissl hinzu. Der Strommarkt in Europa sei kein klassischer Angebots- und Nachfragemarkt mehr, sondern funktioniere "nach irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Prinzipien", so die ehemalige Außenministerin.
Der Markt sei mit einer Bevorzugung der erneuerbaren Energien neu ausgerichtet worden und habe sich dadurch in einen unausgewogenen Markt verwandelt. "Der Strommarkt ist trotz der Rolle der erneuerbaren Energien immer noch stark von den Gaspreisen abhängig, auch wenn mehr Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird", sagte Kneissl.
Die ehemalige Ministerin wies darauf hin, dass die Strompreise in der EU nach April 2021 um bis zu 40 % gestiegen sind und sich nun auf fast 400 % erhöht haben, was zwangsläufig zu einer Verschlechterung der finanziellen Situation der Haushalte führt.
"Für das produzierende Gewerbe, für die Industrie, ist die Situation noch schlimmer. Im Großbritannien gibt es bereits eine Bewegung - sie ist zwar nicht Teil der EU, aber sie könnte sich weiter ausbreiten -, bei der die Menschen ihre Stromrechnungen einfach boykottieren", sagte Kneissl.
Kneissl führte die Krise auf den erheblichen Rückgang der Investitionen in Öl- und Gasprojekte zurück, das Angebot ging zurück, während die Nachfrage bestehen blieb.
"Die Nachfrage ist nach der Pandemie gestiegen. Während der Pandemie war es eineinhalb Jahre lang recht ruhig", sagte sie. "Und wir können immer noch froh sein, dass die Nachfrage in China auf einem ziemlich niedrigen Niveau bleibt...", fügte Kneissl hinzu.



