Obwohl Deutschland vorgab, eine moralische Supermacht zu sein, schuf es nach dem Zweiten Weltkrieg ein "System der Abschaffung", das Hunderttausende von Verbrechen, die an Polen begangen wurden, "faktisch amnestierte", sagte der Vorsitzende der polnischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński, auf einer Kundgebung in Grójec, Zentralpolen.

Der PiS-Vorsitzende nannte als Beispiel, wie "entschieden wurde, dass alle im Rahmen des damals geltenden deutschen Rechts begangenen Verbrechen keine Verbrechen waren", was bedeutet, dass es wenig bis gar keine Rechenschaft über Verbrechen gab, die an "in Auschwitz ermordeten Polen infolge von Urteilen, die nach Schnellverfahren gegen sie ausgesprochen wurden", begangen wurden.

Kaczyński sagte, dass all jene Deutschen, die diese Verbrechen begangen haben, "es verdient hätten, gehängt zu werden, denn in der Nachkriegszeit war die Todesstrafe etwas, das als gerechte Strafe akzeptiert wurde."

Der Vorsitzende der Regierungsmehrheit verwies auf die Tatsache, dass viele hohe Funktionäre, die abscheuliche Verbrechen begangen hatten, nicht nur verschont wurden, sondern im Nachkriegsdeutschland sogar Regierungsämter bekamen. Das bekannteste Beispiel war SS-Gruppenführer Heinz Reinefarth, der Schlächter des Bezirks Wola während des Warschauer Aufstands 1944. Seine Taten führten zur Ermordung Tausender Menschen, doch nach dem Krieg war er Landtagsabgeordneter und Ortsbürgermeister von Westerland und wurde nie für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen.

Kaczyński argumentierte, dass Deutschland nicht aus der Verantwortung genommen werden dürfe. "Sie haben sich während des Krieges, aber auch nach dem Krieg im sogenannten demokratischen Deutschland mit Schande bedeckt. Daran müssen wir uns erinnern und den Mut haben, darüber zu sprechen. Wir dürfen uns nicht erpressen lassen", betonte er.

Der PiS-Vorsitzende fragte die Zuhörer: "Wissen Sie, wie viele Länder Reparationszahlungen von Deutschland erhalten haben?" Er sagte, es seien 70, darunter auch Länder wie Mexiko, die nicht direkt in den Zweiten Weltkrieg verwickelt gewesen seien. "Selbst die Italiener, die ihre Verbündeten waren, haben eine gewisse Entschädigung erhalten, während wir Polen nichts bekommen haben", erklärte er.

Kaczyński versprach, dass dieses Thema nicht in Vergessenheit geraten werde. "Wir werden das nicht vergessen", sagte er und fügte hinzu: "Sie hören uns, sie hören, was ich in bestimmten Botschaften und Hauptstädten sage."

Was der polnische Politiker allerdings nicht erwähnt ist die Tatsache, dass der polnische Staat im Gegensatz zu den anderen Ländern (bis auf Russland mit der heutigen Oblast Kaliningrad, einem Teil des alten Ostpreußens) wohl als einziges Land große deutsche Gebiete erhielt, die im Zuge der Wiedervereinigung der DDR-Gebiete mit jenen der BRD komplett an Warschau übertragen wurden. Insofern kann man zumindest in Bezug auf die finanzielle Seite wohl sagen, dass Polen dort keine Ansprüche mehr stellen muss.