In der südspanischen Stadt Jumilla ist es nun offiziell: Öffentliche Einrichtungen wie Sporthallen oder Bürgerzentren dürfen nicht länger für islamische Feste wie Eid al-Fitr oder Eid al-Adha genutzt werden – es sei denn, sie werden direkt von der Stadt organisiert. Was für viele Einwohner eine logische Reaktion auf wachsende Spannungen ist, gilt für linke Politiker und muslimische Verbände wie üblich als "islamophob" und "verfassungswidrig". Die konservative Volkspartei (PP) brachte die Maßnahme ein, die rechte Vox-Fraktion stimmte zu und feierte den Beschluss als historischen Schritt. Vox erklärte offen: "Spanien ist und wird für immer das Land der Christen bleiben."
Der Vorstoß kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Nur wenige Wochen zuvor war die nahegelegene Stadt Torre Pacheco von gewaltsamen Ausschreitungen erschüttert worden. Auslöser war die brutale Attacke auf einen 68-jährigen Rentner durch drei mutmaßlich marokkanische Jugendliche. Darauf folgten nächtliche "Migrantenjagden", massive Polizeipräsenz und eine spürbare Eskalation der Stimmung. Für die Befürworter des Jumilla-Beschlusses ist das Verbot daher eine Schutzmaßnahme - nicht nur für die öffentliche Ordnung, sondern auch für die kulturelle Identität der Region.
Die Gegner - vor allem Linke und Moslem-Organisationen hingegen wittern gezielten Angriff. Mounir Benjelloun Andaloussi Azhari, Präsident der Spanischen Föderation Islamischer Organisationen, sprach von einem "klaren Fall von Diskriminierung" und warnte, das Klima für Moslems in Spanien verschlechtere sich so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr. Er scheint zu vergessen, dass es gerade die Moslem-Staaten (neben den kommunistischen Ländern) sind, welche in Sachen religiöser Diskriminierung und Verfolgung üblicherweise die Spitzenplätze einnehmen. Auch juristisch könnte es noch Nachspiel geben: Spaniens Verfassung garantiert zwar Religionsfreiheit, schränkt diese jedoch ein, wenn die öffentliche Ordnung gefährdet ist – eine Formulierung, über deren Auslegung nun wohl Gerichte entscheiden könnten.
Besonders brisant ist der historische Unterton der Debatte. Jumilla war zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert Teil des maurischen Herrschaftsgebiets "Al-Andalus" und trug damals den Namen „Yumil-la“. Erst die christliche Rückeroberung unter König Alfons X. beendete diese Epoche. Während linke Kritiker des Verbots gerne auf die "jahrhundertealte moslemische Prägung" verweisen, sehen konservative Kräfte gerade darin ein warnendes Beispiel: Die Reconquista habe mühsam errungen, was heute leichtfertig verspielt werde.
Die linke Regional- und Zentralregierung hingegen wirft PP und Vox vor, gezielt Ressentiments zu schüren und die Gesellschaft zu spalten. Für viele Bürger vor Ort ist die Sache jedoch schlicht eine Frage der Prioritäten: Soll der Staat zuerst die kulturelle Eigenart schützen - oder jede Form religiöser Betätigung gleichbehandeln, auch wenn diese nicht aus der eigenen Tradition stammt und mit Repressionen gegen Andersgläubige verbunden wird? Jumilla hat seine Antwort bereits gegeben.
Und hier zeigt sich der Kern des Problems: Während die Linken im Namen einer falsch verstandenen "Weltoffenheit" jede kulturelle Verwässerung als Fortschritt verkaufen, verstehen immer mehr Menschen, dass Integration nicht aus "Toleranzpapieren" besteht, sondern aus klaren Regeln, die für alle gelten. Die Reconquista war kein Sonntagsausflug, sondern ein jahrhundertelanger Kampf um Identität und Selbstbestimmung. Dass man heute in Madrid offenbar glaubt, diese historischen Errungenschaften im Tausch gegen politische Korrektheit preisgeben zu können, ist nicht nur naiv - es ist gefährlich. Jumilla hat einen Präzedenzfall geschaffen. Ob er Schule macht, hängt davon ab, ob die Spanier bereit sind, ihre Grenzen nicht nur auf der Landkarte, sondern auch im kulturellen Selbstverständnis zu verteidigen.


