Die Huthis, eine schiitische Miliz mit engen Verbindungen zum iranischen Regime, haben in den vergangenen Monaten gezielt Schiffe im Bab al-Mandab attackiert. Dieser Seeweg ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt, verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean und ist für den globalen Warenverkehr von zentraler Bedeutung. Die Angriffe werden von den Huthis als „Solidarität mit den Palästinensern in Gaza“ deklariert – doch die Folgen reichen weit über den Nahen Osten hinaus.
Seit November 2023 haben die Huthis laut Reuters mehr als 100 Schiffe attackiert, vier versenkt, eines gekapert und mindestens acht Seeleute getötet. Zuletzt wurden die unter liberianischer Flagge fahrenden, griechisch betriebenen Frachter „Eternity C“ und „Magic Seas“ aufgebracht und versenkt. Die Miliz schreckt dabei nicht vor internationalem Aufsehen zurück, sondern sucht es gezielt.
Die neue Drohung, alle Schiffe mit Israel-Bezug anzugreifen, markiert eine gefährliche Ausweitung des Konflikts. Militärsprecher Ameen Hayyan verkündete in einer Fernsehansprache, dass künftig „alle Schiffe von Unternehmen, die mit israelischen Häfen Geschäfte machen, unabhängig von ihrer Nationalität und überall, wo unsere Streitkräfte sie erreichen können“, angegriffen werden sollen. Hayyan forderte zudem alle Staaten auf, ihre Beziehungen zu Israel zu kappen und Druck auf das Land auszuüben, die Blockade des Gazastreifens zu beenden.
Die Reaktion Israels ließ nicht lange auf sich warten. Verteidigungsminister Israel Katz kündigte an, dass die Huthis „einen hohen Preis zahlen“ würden. Israel hat bereits mit massiven Luftschlägen auf Huthi-Stellungen und Hafeninfrastruktur im Jemen reagiert. Die Angriffe auf die Miliz werden mit der gleichen Härte geführt, wie sie sonst nur gegen den Iran selbst zum Einsatz kommt.
Die Huthis haben in den vergangenen Monaten auch mehrfach ballistische Raketen auf israelische Städte abgefeuert. Die meisten dieser Geschosse wurden zwar abgefangen, doch die Botschaft ist klar: Die Miliz will Israel und seine Verbündeten im Nahen Osten und auf den Weltmeeren unter Druck setzen. Die Unterstützung durch den Iran ist dabei ein offenes Geheimnis. Teheran liefert Waffen, Know-how und politische Rückendeckung – und nutzt die Huthis als verlängerter Arm im Stellvertreterkrieg gegen Israel und den Westen.
Drei zentrale Fakten zur Huthi-Bedrohung
- Die Huthis sind eine schiitische Miliz mit starker Unterstützung aus dem Iran.
- Seit November 2023 wurden über 100 Schiffe im Roten Meer attackiert, vier davon versenkt.
- Die Miliz droht nun, alle Schiffe mit Israel-Bezug weltweit anzugreifen – unabhängig von Flagge oder Herkunft.
Die internationale Schifffahrt steht damit vor einer neuen Unsicherheitswelle. Reedereien müssen ihre Routen anpassen, Versicherungen werden teurer, und die Gefahr für Seeleute steigt. Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits spürbar: Frachtraten steigen, Lieferketten geraten ins Wanken, und die Unsicherheit auf den Weltmärkten wächst. Die Huthis setzen auf maximale Verunsicherung – und der Iran profitiert von der Destabilisierung der Region.
Die USA und der Oman hatten im Mai einen von Oman vermittelten Waffenstillstand zwischen den Huthis und den Vereinigten Staaten erreicht. Doch die aktuelle Eskalation zeigt, wie fragil solche Abkommen sind. Die Huthis nutzen jede Gelegenheit, um ihre Macht zu demonstrieren und den Westen herauszufordern. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Frage, wie sie auf diese neue Form des asymmetrischen Krieges reagieren soll.
Die Lage im Roten Meer bleibt angespannt. Die Huthis haben bewiesen, dass sie bereit sind, internationale Handelswege zu blockieren und dabei auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Die Unterstützung durch den Iran macht sie zu einem gefährlichen Akteur, der weit über die Grenzen des Jemen hinaus Einfluss nimmt. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die internationale Gemeinschaft eine Antwort auf diese Bedrohung findet – oder ob die Huthis weiter ungestört zuschlagen können.


