Staatsanleihen gehören zum Portfolio vieler Versicherungskonzerne, Notenbanken und Vermögensfonds. Doch in Zeiten wie diesen, in denen die Inflation in die Höhe schnellt, werden diese zu einem Verlustgeschäft. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die ganzen Störungen der globalen Lieferketten noch weiter anhalten werden und wir wohl noch bis 2025 mit einer starken Geldentwertung rechnen müssen. Staatsanleihen mit Zinssätzen knapp über Null werden so wohl nur mehr mit einem ordentlichen Abschlag handelbar, sollte man diese zwischendurch wieder zu Bargeld machen wollen.

Für die Staaten, die nach den ganzen Lockdown-Verschuldungsorgien nun auch noch ihre Wirtschaft mit den Russland-Sanktionen traktieren und in die Stagflation schicken, wird die Refinanzierung von Altschulden und die Aufnahme von neuen Schulden langsam aber sicher eine teure Sache. Denn wer wird niedrig verzinste Papiere kaufen, wenn diese bei Fälligkeitsdatum vielleicht nur mehr die halbe Kaufkraft haben?

Große Halter von US-Staatspapieren wie beispielsweise China oder Japan werden sich zunehmend fragen, ob sie sich diesem enormen Verlustrisiko weiter aussetzen wollen. Peking arbeitet ohnehin schon an einer schleichenden Entdollarisierung, da die Zündung der "Dollarbombe" (also des Abverkaufs der ganzen US-Staatsanleihen auf einen Schlag) auch die chinesische Volkswirtschaft erschüttern würde. Doch auch die Versicherungskonzerne, die für ihre Renten- und Lebensversicherungen Renditen erwirtschaften müssen, stehen vor schwierigen Entscheidungen.

Für die Regierungen dürften die kommenden Jahre also einige Probleme mit sich bringen. Wenn sie keine privaten oder ausländischen Käufer für ihre Anleihen finden, werden sie die Zentralbanken mit dem Kauf beauftragen, was jedoch die Inflation weiter anziehen lässt. Denn die Finanzierung durch die Notenpresse erhöht die Geldmenge im Land direkt. Die andere Alternative sind deutlich höhere Zinssätze auf die Anleihen als bisher. Beides nicht unbedingt die angenehmsten Lösungen.

Das heißt aber auch, dass die derzeitige Inflationskrise eine Staatsschuldenkrise mit verursachen könnte. Die Notenbanken reagieren zwar mit einer Anhebung der Zinsen, doch damit würgen sie die Wirtschaft ab. Diese "überhitzt" nämlich nicht, sondern sieht sich starken Preisanstiegen durch externe Faktoren (vor allem Energie, aber auch Lebensmittel) ausgesetzt. Höhere Zinsen stärken zwar die Währung nach außen (z.B. den Dollar derzeit gegenüber den meisten Währungen), würgen die ohnehin schon strauchelnde Wirtschaft allerdings weiter ab.