Prognosemodelle deuten darauf hin, dass die hohen Temperaturen Anfang August in ganz Frankreich anhalten werden. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas hat in diesem Sommer eine rekordverdächtige Hitze erlebt, die zu einer Drosselung der Atomstromerzeugung geführt hat. Letzten Monat musste die Leistung bereits heruntergefahren werden, und nun sind weitere Drosselungen inmitten einer Energiekrise geplant.

Wie Bloomberg berichtet, hat der französische Energieversorger Electricite de France SA (EDF) mitgeteilt, dass die Kernkraftwerke an den Flüssen Rhone und Garonne ihre Stromerzeugung reduzieren werden, weil die anhaltende Hitzewelle die Wassertemperaturen so stark ansteigen lässt, dass sie nicht mehr durch die Kondensatoren zirkulieren und in die Gewässer zurückfließen können.

Nach den französischen Vorschriften muss EDF die Stromerzeugung aus Kernkraftwerken reduzieren oder einstellen, wenn die Flusstemperaturen bestimmte Schwellenwerte erreichen, um sicherzustellen, dass das zur Kühlung der Kraftwerke verwendete Wasser bei der Rückleitung in die Gewässer nicht die Umwelt schädigt.

Während des Sommers gab es bereits zu verschiedenen Zeiten Beschränkungen. Zu den jüngsten Warnungen gehören die Einschränkungen für das Kraftwerk in St. Alban, die am Samstag in Kraft treten sollen, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Die Anlage wird mit einem Minimum von 700 Megawatt betrieben, verglichen mit einer Gesamtkapazität von etwa 2.600 Megawatt. Auch im Kraftwerk Tricastin, wo zwei Blöcke mit mindestens 400 Megawatt betrieben werden, ist eine Reduzierung wahrscheinlich.


Frankreich ist der größte Atomenergieproduzent des Kontinents und normalerweise ein Nettoexporteur von Strom in alle EU-Mitgliedstaaten, importiert aber jetzt Strom, da die Produktion in diesem Sommer die niedrigste seit mehr als drei Jahrzehnten sein wird. Die Ursache für den Rückgang der Atomstromproduktion sind die Abschaltungen der Kraftwerke für Wartungs- und Inspektionsarbeiten.

Frankreichs Reaktorkapazität lag am Montag bei rund 44 Prozent. Bloomberg-Daten zufolge wurden Anfang dieser Woche zwei Reaktoren wieder in Betrieb genommen, wodurch die Kernkraftkapazität am Mittwoch auf 49 Prozent anstieg.

Die Verringerung der Atomstromproduktion hat dazu beigetragen, dass die Strompreise in Frankreich und in Nachbarländern wie dem Vereinigten Königreich und Deutschland fast auf ein Rekordniveau gestiegen sind. Frankreichs Stromerzeugungsproblem kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Europa mit der schlimmsten Energieversorgungskrise seit Jahrzehnten konfrontiert ist. Russland hat in der vergangenen Woche die Erdgaslieferungen über die Nord-Stream-1-Pipeline auf nur noch 20 Prozent der Kapazität gedrosselt, was eine lang anhaltende Energiekrise bis 2023 befürchten lässt.