Es war einmal eine schöne neue Welt, in der aus Windrädern und Solarzellen ein Wunderstoff namens „grüner Wasserstoff“ entstehen sollte – lautlos, sauber, "klimafreundlich". Ein Stoff, der angeblich die Lösung für alle Energieprobleme bereithielt. Schwerindustrie, Flugverkehr, Schiffsantrieb, ja sogar das Heizen von Altbauwohnungen sollte dereinst auf das "grün" produzierte Molekül umgestellt werden. Milliarden wurden versprochen, Förderprogramme geschnürt, Pressemitteilungen bejubelt. Und nun? Ernüchterung. Frust. Pleiten. Die grüne Wasserstoffwirtschaft entpuppt sich als gigantisches Milliardengrab für Steuergeld – ein Paradebeispiel für technokratische Hybris und politische Realitätsverweigerung.
Was sich derzeit global abzeichnet, ist nichts anderes als das große Sterben der Wasserstoff-Illusion. Selbst die Internationale Energieagentur (IEA), bisher eifrige Unterstützerin des grünen Zukunftsrausches, räumt mittlerweile ein, dass die Nachfrage schlicht nicht vorhanden sei – zumindest nicht am freien Markt. Der Hinweis, dass die Nachfrage „politisch erzeugt“ werden müsse, sagt eigentlich alles: Ohne Subventionen, Zwang und Quoten ist grüner Wasserstoff nicht einmal im Ansatz konkurrenzfähig. Die Produktionskosten sind astronomisch, die Infrastruktur mangelhaft, die Anwendungsmöglichkeiten begrenzt – und die Marktteilnehmer ziehen sich reihenweise zurück.
Beispiele dafür finden sich rund um den Globus: In Australien kippt ein Milliardenprojekt nach dem anderen, in den USA hat Präsident Trump mit seinem Steuerreformgesetz („One Big Beautiful Bill Act“) Nägel mit Köpfen gemacht und den grünen Träumereien mit einer Deadline den Stecker gezogen. Auch in Europa – angeblich Vorreiter der Wasserstoffwirtschaft – rollt die Rückzugswelle unaufhaltsam. Shell, Equinor, BP – die großen Player verabschieden sich wieder diskret von ihren PR-Versprechen. Zu teuer, zu unsicher, zu wenig brauchbar. Selbst das Prestigeprojekt in Norddeutschland, das als Europas Wasserstoff-Drehkreuz geplant war, liegt mittlerweile auf Eis.
Und Deutschland? Wieder einmal ganz vorn dabei – beim Scheitern. Auch unter der neuen schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Merz wird an den grünen Wasserstoffträumen festgehalten, als gäbe es keine ernüchternden Bilanzen. Die Altlasten der ideologiegetriebenen Ampeljahre werden weiterfinanziert, obwohl die Realität längst ein anderes Bild zeichnet. Milliarden fließen in Projekte ohne wirtschaftliche Grundlage, in Infrastruktur ohne Abnehmer, in grüne Luftschlösser. Etwa das Projekt HyPerformer Schwäbisch Gmünd, das großspurig eine regionale Wasserstoffwirtschaft aufbauen sollte. Ergebnis? Kein Abnehmer, kein Nutzen, aber Millionen versenkt. Ähnlich die Lage in der Eifel: Auch dort wurde mit Steuergeld großzügig gefördert – und das Projekt nun stillschweigend beerdigt.
Noch dreister: Airbus, einst Vorzeigeunternehmen grüner Luftfahrt, hat seine Wasserstoffpläne inzwischen drastisch reduziert. Selbst in der Luftfahrt, wo man noch vor Kurzem von Wasserstofffliegern fabulierte, setzt langsam die Realität ein: zu teuer, zu schwer, zu ineffizient. Der Enthusiasmus ist verflogen – ebenso wie das Geld der Steuerzahler.
Ein besonders entlarvendes Kapitel in diesem Trauerspiel ist das gescheiterte Afrika-Abenteuer der Bundesregierung. Man wollte dort – moralisch aufgepeppt mit „nachhaltiger Entwicklung“ – angeblich klimafreundlichen Wasserstoff erzeugen und nach Deutschland verschiffen. Afrika als Rohstofflieferant für die deutsche Energiewende – man kennt das Muster. Doch abgesehen von politischen Instabilitäten und logistischen Absurditäten gibt es ein grundlegendes Problem: Selbst wenn es technisch klappen würde – niemand will das Zeug haben. Die deutsche Industrie winkt ab, der Strombedarf für die Elektrolyse ist immens, und die Transportkosten machen jedes Geschäftsmodell zunichte.
Was bleibt, ist ein medienwirksam inszenierter Technologiekult. Wasserstoff, das neue Heilsversprechen der Klima-Apostel, soll angeblich der „Champagner der Energiewende“ sein – selten, teuer, aber angeblich notwendig. Doch wie so oft bei ideologisch motivierten Prestigeprojekten ist das Etikett schöner als der Inhalt. Grüner Wasserstoff ist in Wahrheit weder klimaneutral noch nachhaltig noch wirtschaftlich. Denn zur Erzeugung braucht man enorme Mengen Strom – und der muss erst einmal vorhanden sein. Am besten grün, heißt es. Doch genau der fehlt an allen Ecken und Enden. Wer den Wasserstoffpfad ernsthaft verfolgen will, müsste gleichzeitig die Stromerzeugung aus Erneuerbaren vervielfachen – was wiederum zu Flächenfraß, Netzüberlastung und Preisexplosionen führt. Das eine Problem wird durch das nächste ersetzt.
Dass all das nicht funktioniert, weiß die Industrie längst. Deshalb stampfen Konzerne wie BP, Fortescue oder Stanwell ihre Projekte ein, bevor noch mehr Geld verbrannt wird. Nur die Politik klammert sich weiter an die Illusion. Warum? Weil man sich längst so tief in die ideologischen Sümpfe der Energiewende begeben hat, dass ein Kurswechsel politisch nicht mehr durchsetzbar scheint. Besser, man täuscht sich und andere weiter – bis zur nächsten Wahl. Oder dem nächsten Blackout.
Was sich hier abzeichnet, ist nicht nur das Scheitern einer Technologie – es ist das Scheitern einer ganzen Politikrichtung, die meint, mit Planwirtschaft, Subventionen und ideologischen Leitlinien eine Industrie nach Wunsch zu erschaffen. Grüner Wasserstoff ist dafür das perfekte Symbol: teuer, ineffizient, realitätsfern. Und doch wird weiter daran festgehalten, weil es nicht um Nutzen oder Vernunft geht, sondern um moralisches Sendungsbewusstsein. Wer heute Wasserstoffprojekte kritisiert, gilt als Fortschrittsfeind – selbst wenn er nur nüchtern rechnet.
Währenddessen versinkt Deutschland immer tiefer in eine Energiekrise, die selbstverschuldet ist. Atomkraftwerke abgeschaltet, Kohlekraftwerke verteufelt, Gasimporte unsicher – und der große Retter soll eine Technologie sein, die nicht einmal im Ansatz marktfähig ist. Eine Politik, die sich derart von der Wirklichkeit entkoppelt, ist keine „Transformation“, sondern eine Tragödie.
Der grüne Wasserstoff war nie mehr als ein grünes Luftschloss – teuer, unbrauchbar, ideologisch aufgeblasen. Und der Steuerzahler darf die Rechnung zahlen. Wie immer.



