Einerseits kann man nur von einer politischen Scharade sprechen, wenn man sich das betrachtet, was sich derzeit in der Europäischen Union so abspielt. Man will Russland für dessen Einmarsch in die Ukraine (die ja Dank des westlich unterstützten Maidan-Putsches 2014 anstelle von pro-russischen Oligarchen von pro-westlichen Oligarchen regiert wird) abstrafen. Und dann kommt der interessante Teil: die EU will kein Öl und Gas mehr aus Russland importieren. Aber bitte nicht sofort, weil das ja die Energiesicherheit Europas zerstört. Also erklärt Brüssel Moskau, dass man es mit Sanktionen belegt, die aber erst in den nächsten Jahren schrittweise wirksam werden sollen, weil man sich ja selbst nicht implodieren lassen will.

Und was macht Moskau? Es reduziert die Gaszufuhr nach Europa sukzessive. Wer nicht in Rubel bezahlt, ist draußen. Öl gibt es zwar noch über die Druschba-Pipeline, doch wer mehr will, kauft russisches Öl (bzw. dessen Derivate) eben aus Indien. Denn die indischen Raffinerien laufen auf Hochtouren, um aus russischem Öl Kerosin, Benzin und Diesel zu machen, um diese Produkte dann mit gutem Gewinn nach Europa und in die Vereinigten Staaten zu exportieren. Und in Brüssel, Berlin und London echauffiert man sich darüber, dass die Russen (eigentlich ganz so, wie man es mit den Sanktionen eigentlich erreichen wollte) den Gashahn langsam zudrehen.

Nun befinden sich die "Great Reset"-Apologeten in der Europäischen Union, die eigentlich ihre dubiosen "Klimaziele" zur Reduktion des CO2-Ausstoßes mit aller Gewalt und ohne gesunden Menschenverstand (in Österreich auch "Hausverstand" bezeichnet) durchdrücken wollen, in einem Dilemma. Denn Strom erzeugt sich nicht aus dem Nichts und so muss man Kohlekraftwerke reaktivieren und Unmengen an Kohle importieren. Dies zeigt auch ein Bericht beim Energie-Fachportal Oilprice.com, wonach die Europäische Union mittlerweile mehr Kohle aus Südafrika importiert als jemals zuvor. Dort heißt es:

Aufgrund der Befürchtung, dass Russland die Erdgaslieferungen in den strengen Wintermonaten einstellen könnte, hat Europa mit einer "bitteren und widerwilligen Rückkehr zur Kohle" begonnen. Doch schon vor dieser Entwicklung hatte die EU ihre Kohleimporte aus anderen Ländern erhöht, um sich auf den Ausstieg aus den russischen Energiemärkten vorzubereiten. In der Tat haben die EU-Länder Kohle in Rekordzahlen aus Südafrika importiert.

Ganze 15 Prozent der 24 Millionen Tonnen an Kohle die über das Richards Bay Coal Terminal (RBCT) in Südafrika exportiert wurden, gingen in diesem Jahr an EU-Länder. Im letzten Jahr waren es 4 Prozent, Quartz Africa. Und nicht nur das: die starke Nachfrage nach Kohle in der EU (und der ebenfalls steigende Preis) dürfte dazu führen, dass die derzeit rund 200.000 Beschäftigten in der südafrikanischen Kohleindustrie bald schon neue Arbeitskollegen erhalten werden. Und das, obwohl gerade die Kohle als die "unsauberste" aller fossilen Energiequellen gilt.

Wer weiß, vielleicht kommt Russland tatsächlich den Wünschen der EU-Politiker nach und kappt in den nächsten Monaten sämtliche wirtschaftlichen Verbindungen mit dem Westen. Nicht weil es das will, sondern weil ihm die westlichen Politiker einfach keine andere Wahl mehr lassen. Doch wie werden die Bürger darauf reagieren?