Stellen Sie sich vor: Da reist der ehrenwerte Josep Borrell, seines Zeichens EU-Außenbeauftragter, mit großen Hoffnungen in die Vereinigten Arabischen Emirate. Sein Ziel? Die Golfstaaten dazu zu bewegen, sich den westlichen Sanktionen gegen Russland anzuschließen. Doch was erwartet ihn? Ein höfliches, aber bestimmtes "Nein, danke". Die Golfstaaten, diese Oasen des Wohlstands in der Wüste, haben offenbar wenig Lust, sich in das europäische Abenteuer in der Ukraine hineinziehen zu lassen. Warum auch? Sie haben ihre eigenen Interessen, ihre eigenen Spiele – und die sind weitaus lukrativer als das, was Europa ihnen bieten kann.
Nehmen wir die Vereinigten Arabischen Emirate: Ein Land, das es geschafft hat, sich als globaler Knotenpunkt für Handel und Finanzen zu etablieren. Warum sollten sie diesen hart erarbeiteten Status aufs Spiel setzen, nur um Brüssel einen Gefallen zu tun? Die Antwort liegt auf der Hand: Sie tun es nicht.
Doch nicht nur in der Ukraine-Frage knirscht es. Auch beim Thema Handel zeigen die Golfstaaten der EU die Grenzen auf. Während Brüssel auf bilaterale Abkommen setzt, pochen die Scheichs auf einen regionalen Ansatz. Eine geschickte Strategie, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken. So entpuppt sich der als Triumph geplante Gipfel als diplomatisches Minenfeld. Die EU muss erkennen, dass ihre Weltanschauung nicht überall geteilt wird. Die Golfstaaten haben ihre eigenen Interessen - und die decken sich nicht immer mit denen des Westens.
Stattdessen sehen wir eine bemerkenswerte Entwicklung: Die Golfstaaten intensivieren ihre Beziehungen zu Russland und China. Es ist, als würden sie dem Westen zurufen: "Seht her, wir haben Alternativen!" Und diese Alternativen sind nicht zu unterschätzen. Russland, mit seinen reichen Ressourcen und seiner militärischen Macht, und China, die aufstrebende Wirtschaftssupermacht – zusammen bilden sie ein Gegengewicht zum westlichen Einfluss, das die Golfstaaten geschickt für sich zu nutzen wissen.
Aber es geht hier um mehr als nur um Wirtschaft und Geopolitik. Es geht um eine grundlegende Verschiebung in der Weltordnung. Die Golfstaaten, einst Spielbälle im großen Spiel der Supermächte, emanzipieren sich. Sie entwickeln eine eigene, selbstbewusste Außenpolitik, die sich nicht mehr an den Wünschen und Vorstellungen des Westens orientiert. Eines ist klar: Die Zeiten, in denen Europa der Welt diktieren konnte, was richtig und falsch ist, sind vorbei. Die Golfstaaten zeigen, dass sie keine Marionetten im geopolitischen Spiel des Westens sein wollen. Eine Lektion in Realpolitik, die in Brüssel noch verdaut werden muss.


