In der ehemaligen Sowjetrepublik Moldau zeichnet sich ein erbitterter Machtkampf zwischen pro-westlichen und pro-russischen Kräften ab. Bei der jüngsten Präsidentschaftswahl am 20. Oktober 2024 führt nach vorläufigen Ergebnissen die amtierende Präsidentin Maia Sandu mit 41,8 Prozent der Stimmen. Sandu, eine erklärte Befürworterin einer raschen EU-Integration Moldaus, sieht sich in einer Stichwahl am 3. November voraussichtlich dem früheren Generalstaatsanwalt Stoianoglo gegenüber, der mit 26,4 Prozent auf dem zweiten Platz liegt.
Stoianoglo, Kandidat der Sozialistischen Partei des prorussischen Ex-Präsidenten Dodon, steht für eine Annäherung an Moskau. Diese Konstellation verdeutlicht die tiefe Spaltung des Landes zwischen einer westlich orientierten und einer traditionell russlandfreundlichen Fraktion.
Die Wahl in dem kleinen, strategisch bedeutsamen Land zwischen Rumänien und der Ukraine wird von vielen Beobachtern als richtungsweisend für die geopolitische Ausrichtung Moldaus angesehen. Präsidentin Sandu, die von westlichen Mächten unterstützt wird, strebt eine rasche Integration in die Europäische Union an - ein Kurs, der in Moskau mit Argwohn betrachtet wird.
Interessanterweise scheiterte, zum gegenwärtigen Zeitpunkt, äußerst knapp ein parallel zur Wahl durchgeführtes Referendum, das den EU-Beitritt als strategisches Ziel in der Verfassung verankern sollte. Dies zeigt, dass trotz der scheinbaren Führung pro-westlicher Kräfte in der Präsidentschaftswahl die Bevölkerung Moldaus in der Frage der geopolitischen Ausrichtung gespalten bleibt.
Kritische Stimmen sehen in dem Drängen auf eine schnelle EU-Integration den Versuch westlicher Mächte, ihren Einfluss in der Region auszuweiten und Russland weiter einzudämmen. Die komplexe Geschichte Moldaus als Teil der Sowjetunion und die engen wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen zu Russland werden dabei oft außer Acht gelassen.
Die kommenden Wochen bis zur Stichwahl dürften von intensiven politischen Auseinandersetzungen geprägt sein. Sowohl westliche als auch russische Akteure werden versuchen, Einfluss auf den Wahlausgang zu nehmen. Für die Bevölkerung Moldaus steht nichts weniger als die zukünftige geopolitische Ausrichtung ihres Landes auf dem Spiel.
Es bleibt abzuwarten, ob es Sandu gelingen wird, eine Mehrheit der Bevölkerung von ihrem pro-westlichen Kurs zu überzeugen, oder ob die traditionellen Bindungen an Russland sich als stärker erweisen. Die Stichwahl am 3. November wird zeigen, welchen Weg Moldau in den kommenden Jahren einschlagen wird.



