Wer sich noch an die glorreichen Zeiten des Fernsehens erinnert, in denen Helden wie Sledge Hammer mit dem Revolver in der Hand und absolutem Wahnwitz im Kopf für Recht und Ordnung sorgten, der erlebt derzeit sein historisches Déjà-vu im Herzen der Bundesrepublik. Es ist eine unheimliche Mischung aus Selbstgewissheit und Realitätsverweigerung, wenn Regierungsvertreter heute mit einer Brust von der Tonne auftreten, die selbst den parodistischen Inspektor vor Neid erblassen ließe. Wie die Welt meldet, verkündete der Kanzler jüngst mit einer fast schon rührenden Entschlossenheit: „Wir wissen, was richtig und gut ist für das Land.“ Ein Satz, der im Munde eines jeden Diktators brillant klingen würde, in einer freiheitlichen Demokratie jedoch eher an das schrille Läuten der Alarmglocken erinnert, während das Schiff bereits mit Volldampf auf den Eisberg zusteuert. Man fragt sich unwillkürlich, ob in den Amtsstuben klammheimlich die Titelmelodie einer längst vergessenen amerikanischen Sitcom läuft, während draußen das Land unter einer Last aus Regulierungswut, wirtschaftlicher Stagnation und bürokratischem Irrsinn stöhnt.
Die Kulisse für diese theatralischen Selbstbeweihräucherungen wechselt derweil von der Hauptstadt in die brandenburgische Provinz, wo man sich zu Klausuren trifft, um der Realität für ein paar Stunden zu entkommen. Wie der Merkur berichtet, kämpft die Regierung in Neuhardenberg verbissen mit dem enormen Druck von allen Seiten, während draußen auf den Straßen und in den Chefetagen längst pure Ratlosigkeit herrscht. Doch statt zuzugeben, dass der Karren tief im Dreck steckt, schwingt man die verbale Vorschlaghammer-Methode. Es ist diese eigentümliche Berliner Blasen-Logik: Je lauter die Kritik, desto fester der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit. Wer das Land regiert wie einen Truppenübungsplatz für die eigene Eitelkeit, der darf sich am Ende nicht wundern, wenn die Untertanen nicht mehr parieren wollen und stattdessen laut über den Notausgang nachdenken.
Währenddessen blickt der deutsche Mittelstand fassungslos auf das politische Treiben und fragt sich, wie lange dieses Schauspiel noch gutgehen soll, bevor die wirtschaftlichen Lichter endgültig ausgehen. Wie ebenfalls im Merkur zu lesen ist, fordert die Wirtschaft vom Kanzler ein radikales Umsteuern und eine Rückkehr zu echter, tatkräftiger Führung, statt sich in hohlen Phrasen zu ergehen. Doch wer braucht schon wirtschaftlichen Sachverstand oder das schlichte Votum der Realität, wenn man doch so wunderbar genau weiß, was richtig und gut ist? Es ist der Triumph der Ideologie über die Vernunft, dargeboten mit der nonchalanten Attitüde eines Mannes, der sein politisches Heil in der grenzenlosen Selbstüberschätzung sucht. Wenn Sledge Hammer abdrückte, flog meist das halbe Gebäude in die Luft – bei unserem Kanzler der Nation droht stattdessen die wirtschaftliche Kernschmelze, während im Hintergrund feierlich verkündet wird, dass alles genau nach Plan verläuft.
Natürlich darf man an dieser Stelle keineswegs die treusorgende Herde der sogenannten Qualitätspresse übergehen, die sich tagtäglich heroisch darum bemüht, das politische Totalversagen in einen weichgezeichneten Triumph des Intellekts umzudeuten. Mit einer fast schon rührenden, sowjetisch anmutenden Hingabe wird uns in den Leitartikeln erklärt, dass der Kanzler die Zeichen der Zeit erkannt habe, selbst wenn er sie gerade mit Karacho ignoriert. Da wird aus merkantilistischer Planlosigkeit ein strategischer Geniestreich konstruiert und aus dem schrillen Pfeifen im Walde eine Symphonie der Vernunft. Es ist diese symbiotische Hofberichterstattung, die jede politische Geisterfahrt im Handumdrehen in einen Staatsakt verwandelt, während der mündige Bürger fassungslos zuschaut, wie ihm der letzte gesunde Menschenverstand vor laufenden Kameras ausgetrieben werden soll.
Man muss sich diesen Zustand einmal auf der Zunge zergehen lassen: Da sitzt eine politische Kaste in ihren klimatisierten Büros, fernab jeder Produktivitäts- und Lebenswirklichkeit, und erklärt den Bürgern in fast schon beschwörender Manier, dass die bittere Medizin, die sie verabreichen, pures Labsal sei. Wer nicht schlucken will, gilt sofort als populistischer Störenfried oder Demokratiefeind. Es ist jene schauderhafte Arroganz der Macht, die schon immer die Vorstufe zum großen Scheitern war. Man weiß es eben besser. Immer. Überall. Und vor allem gegen jeden besseren Rat der Betroffenen. Friedrich Merz agiert dabei längst nicht mehr als Kanzler einer pluralistischen Gesellschaft, sondern als Alleinunterhalter in einer geschlossenen Anstalt, in der die Insassen die Schlüsselgewalt übernommen haben und nun allen Ernstes glauben, sie würden den Laden retten, während sie das Mobiliar anzünden.
Am Ende bleibt von diesem regierungsamtlichen Größenwahn nicht viel mehr als ein lauter Knall und die bittere Erkenntnis, dass Satire von der Wirklichkeit längst eingeholt wurde. Sledge Hammer wusste am Ende jeder Folge zumindest meistens, dass er alles zerstört hatte, bevor der Abspann lief. Unsere politische Führung hingegen klopft sich auf die Schultern, während um sie herum die Lichter ausgehen, und schwört steif und fest, dass die Dunkelheit in Wahrheit der längst überfällige Fortschritt sei. Wer in diesen Tagen durch das Land geht, spürt die bleierne Schwere einer Politik, die jedes Maß und Ziel verloren hat. Doch solange die Kanzlerkrawatte sitzt und die Rhetorik stramm bleibt, wird fröhlich weitergeschossen – direkt ins eigene Knie, mit der unerschütterlichen Gewissheit, das sei der einzig richtige Weg für Deutschland.

Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *