Die EU-Länder haben ihre Lagerbestände zunehmend mit überschüssigem chinesischem Flüssigerdgas (LNG) aufgefüllt, das sie auf dem Spotmarkt gekauft haben, berichtet die "Financial Times". Dem Artikel zufolge hat China, der größte LNG-Käufer der Welt, einen Teil seiner überschüssigen Mengen auf dem internationalen Markt weiterverkauft.
Der Überschuss ist auf die schwache Inlandsnachfrage zurückzuführen, da die Covid-19-Beschränkungen noch nicht aufgehoben sind. Allerdings handelt es sich hierbei vor allem um russisches LNG, welches von den Chinesen billig eingekauft und teuer nach Europa verkauft wird.
Da die EU vor der Heizperiode und angesichts des Rückgangs der Gaslieferungen aus Russland um eine sichere Energieversorgung kämpft, hat sie chinesisches LNG auf dem Spotmarkt gekauft, obwohl es teurer ist.
So gab der chinesische LNG-Händler JOVO Group kürzlich bekannt, dass er eine LNG-Ladung an einen europäischen Käufer weiterverkauft hat. Chinas größter Ölraffineriebetreiber, die Sinopec Group, berichtete auf einer Bilanzkonferenz Anfang des Jahres ebenfalls, dass sie ihr überschüssiges LNG auf dem internationalen Markt verkauft hat.
Berichten zufolge hat das Unternehmen in diesem Jahr bisher 45 LNG-Ladungen verkauft, was etwa 3,15 Millionen Tonnen entspricht. Die FT schätzt, dass die Gesamtmenge an chinesischem LNG, die in der ersten Hälfte des Jahres 2022 weiterverkauft wird, 4 Millionen Tonnen übersteigen könnte, was etwa 7 % der gesamten europäischen Gasimporte in diesem Zeitraum entspricht.
Laut dem Marktforschungsunternehmen Kpler sind die LNG-Importe der EU in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 60 % gestiegen.
Die FT-Analysten warnen jedoch, dass China der EU möglicherweise nicht mehr lange zu Hilfe kommen kann. Wenn die Abriegelungen endlich vollständig aufgehoben sind und die Wirtschaftstätigkeit des Landes wieder anspringt, wird der enorme Energiebedarf zurückkehren und es wird wahrscheinlich kein überschüssiges LNG mehr zu verkaufen geben.



